Zur Ausgabe
Artikel 28 / 78

BRATPFANNEN Fluor für Eier

aus DER SPIEGEL 20/1966

Der Stoff steckt in den Hitzeschilden amerikanischer Gemini - Raumschiffe und den Schneiden von Rasierklingen. Ärzte benutzen ihn für künstliche Adern, die Industrie verwendet ihn für Rohrverkleidungen. Künftig soll er auch deutschen Hausfrauen helfen: In Bratpfannen mit einem Überzug aus Fluor-Kunststoff kann nichts anbrennen.

Fast gleichzeitig brachten der Welt größter Chemie-Konzern, DuPont de Nemours aus USA, und Westdeutschlands zweitgrößter, die Farbwerke Hoechst, ihre Pfannen-Kunststoffe mit großem Werbeaufwand auf den deutschen. Markt. Teflon heißt das Material bei DuPont, Hostaflon bei Hoechst.

Beide Produkte bestehen aus dem Polytetrafluoräthylen (PTFE), das schon 1938 in den USA entdeckt wurde und als Edelstein unter den Kunststoffen gilt. Es hält Temperaturen bis zu 300 Grad aus, ist unempfindlich gegen die meisten Chemikalien und besitzt einen äußerst geringen Reibungswiderstand.

In PTFE-beschichteten Pfannen und anderen Küchengeräten können Speisen zwar noch verbrennen, aber nicht mehr anbrennen. Nichts bleibt an dem Überzug haften, nicht einmal Spiegeleier. Es kann sogar ohne Fett gebraten werden. Die Pfannen lassen sich genauso leicht reinigen wie Porzellan.

In den USA ist das Fluor-Kochgeschirr Bestseller. Im vergangenen Jahr hatte es schon mehr als die Hälfte des Marktes erobert. In Westdeutschland verzögerte sich die Einführung der Wunderpfannen, da das Bundesgesundheitsamt in West-Berlin anfänglich Bedenken hatte.

DuPonts Teflon wird mit einem Haftmittel, dem sogenannten Primer, aufgeklebt. Die Berliner hielten den Primer zunächst für gesundheitsschädlich und fürchteten, er könne ins Essen geraten, wenn die Teflonschicht ein Loch bekommt. Erst im März dieses Jahres konnte DuPont das Amt von der Ungefährlichkeit seiner Pfanne überzeugen.

Hoechst verzichtete auf die Klebemethode. Hostaflon wird direkt auf die Pfanne gespritzt und eingebrannt. Das hat zwar den Nachteil, daß nur Aluminiumgeräte mit Hostaflon beschichtet werden können; auf Stahl haftet der versprühte Kunststoff nicht. Aber es brachte Hostaflon beim Gesundheitsamt schneller über die Runden als Teflon.

So kam Hoechst etliche Wochen früher auf den Markt als DuPont. Die Amerikaner können sich jedoch damit trösten, daß sie bei Hoechst mitverdienen: Die Deutschen stellen ihren Fluor -Kunststoff in DuPont-Lizenz her.

Käufer der glatten Pfannen werden Küchenfreuden gegen Geld aufrechnen müssen: Die Geräte haben nur eine Lebensdauer von drei bis vier Jahren und kosten rund ein Drittel mehr als herkömmliche Pfannen.

Hostaflon-Pfanne, Benutzerin

Braten auf dem Edelstein

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 28 / 78
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.