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Folgenlose Asphalt-Malerei

aus DER SPIEGEL 37/1993

Martin Hannigan, 42, Ire, hat das Gesetz in die eigene Hand genommen und liefert damit Stoff für die politische Debatte auf der grünen Insel. Jedes Wochenende pinselt Hannigan nächtens auf den Landstraßen der irischen Grafschaft Cavan. Gegenstand seiner Malkunst sind die zahllosen Schlaglöcher, die er mit gelben Farbkreisen markiert. Vor besonders großen Vertiefungen warnt er mit gigantischen Farbpfeilen oder mit den aufgemalten Worten »Stop« oder »Danger«. Der Asphaltkünstler will die örtlichen Behörden zwingen, wenigstens die ärgsten Straßenschäden auszubessern. Mit bisher wenig Erfolg, wie Hannigans ständig wachsende Sammlung von Radkappen zeigt, die sich von Autos, Lkw und Bussen nach heftigem Aufprall lösten. Zwar hat der irische Umweltminister Michael Smith jüngst immerhin Cavans Hauptstraßen einen größeren Unterhaltszuschuß bewilligt, der aber am desolaten Zustand der meisten Straßen nichts geändert hat. Jetzt versuchte die Verwaltung von Cavan den lästigen Mahner zum Schweigen zu bringen und bot dem Arbeitslosen einen Job in der Behörde an. Martin Hannigan lehnte ab, er habe genug zu tun, jetzt sogar bei Tage.

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