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Briefe

FORTSCHRITT = RÜCKSCHRITT
aus DER SPIEGEL 44/1970

FORTSCHRITT = RÜCKSCHRITT

(Nr. 41/1970, SPIEGEL-Titel über »Vergiftete Umwelt")

Läßt man Hefebakterien mi Wohlstand -- einer Zuckerlösung -- leben, so leben sie zunächst sieht- und hörbar in Saus und Braus. -An ihrem Müll -- dem Alkohol -- gehen sie dann zugrunde. Insofern beweisen Hefebakterien (die es nicht können) keine größere Voraussicht als die Menschen (die es könnten, wenn sie wollten). Aber: Wer hat an unserem Müll ein gleich großes Interesse wie wir an dem der Hefebakterien?

Saarbrücken FERDINAND WESTEINHAGEN

Was Sie in Ihrem Bericht schreiben, kann nur von jedem, der unvoreingenommen an dieses Problem herangeht, bestätigt werden. Was aber tun wir Wirtschaftswunderkinder dagegen? Wir sitzen auf unseren faulen Ärschen und meinen, das sei doch wohl Sache derer, die wir gewählt haben. Diese aber kassieren ihre Diäten, streiten sich wie kleine Kinder über Banalitäten und bilden Lobbys, um ja das nächste Mai wiedergewählt zu werden. Genscher tönt wahlwirksam, jetzt müsse aber ein Sofortprogramm ausgearbeitet werden, und das, was dabei herauskommt, ist ein lächerliches Mäuslein.

Saarbrücken WILFRIED TRÖDER

Zum Glück scheinen ja unsere Regierungsvertreter erkannt zu haben, daß die Zukunft schon längst begonnen hat, das heißt die Existenz des Menschen schon gegenwärtig im bedenklichen Ausmaße betroffen ist. Nur, woher das notwendige Geld nehmen?

Entringen (Bad.-Württ.) HARTMUT HÖRE

Die Information durch Ihren Bericht, so notwendig sie auch war, wird kaum ein positives Echo im Bundesministerium finden. Es sind leider nicht nur Herrn Genschers Enkelkinder, die mit einer Gasmaske spielen werden.

Hameln GERHARD KUCK

Die Frage unserer jungen Generation bleibt: »Dürfen wir Kinder in die Welt setzen, wo wir Ihnen doch keine hohe Lebenserwartung bieten können?«

St. Goarshausen (Rhld.-Pf.) ELSBETH KLAPPROTH

Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Artikel. Jeder wissenschaftliche Fortschritt Ist ein Rückschritt für den Menschen. Der technische und wissenschaftliche Fortschritt (fortschreiten) ist der Bumerang der Menschheit.

Lörrach (Bad.-Württ.) MATHIAS GROSS

Und doch bin ich fest davon überzeugt, daß alles ganz anders kommen wird. Die Gefahr wird gebannt werden. Und zwar durch den gleichen »Schuldigen«, der uns in diese Gefahr gebracht hat: durch die Fortentwicklung der Technik.

Fürth (Bayern) DR. GEORG KILIAN

Eine Gruppe von Menschen hat jedes Recht verwirkt, an dem allgemeinen Protest gegen die Umweltverschmutzung teilzunehmen: die Raucher. Diese demonstrieren stündlich ihre Vorliebe für vergiftete Luft und zeigen -- da sie dieses Übel für sich und andere ohne jede Notwendigkeit, also rein mutwillig schaffen -, daß sie unter allen Umweltverderbern die rücksichtslosesten sind. Überhaupt: Es liegt in erster Linie an den Konsumenten, zur Sauberhaltung der Umwelt beizutragen. Wer unnötigerweise Auto fährt, wer zwar Bier trinken, aber keine Flaschen tragen will, wer alle Waren abgepackt und in übertriebenen Packungen heimtragen will, ist schuldiger als die Industrie, die danach streben muß, Konsumenten-Wünsche zu erfüllen. Und noch ein Letztes: Kein Staat sollte der Verlockung unterliegen, aus den volksschädlichen Lastern seiner Bürger, seien es Trinker oder Raucher, ein Einkommen zu ziehen. Alkohol- und Tabaksteuern sollten restlos den Krankenkassen und Versicherungen zufallen, denn diese und ihre vernünftig lebenden Mitglieder sind es, die die zusätzlichen Kosten für die Behandlung der resultierenden Krankheiten oder für die Frühinvalidität zu tragen haben.

St. Tropez (Frankreich) FRITZ VON OPEL

Was soll das Geschrei? Die Natur wird zerstört? Keineswegs. Die ökologischen Veränderungen, von denen man soviel redet, verlaufen völlig naturgesetzlich und zum Heil des Homo sapiens. Die Menschheit hat schon längst einen eisernen Besen nötig.

Berlin C. KYOHN

Übrigens: der SPIEGEL verspottete vor etwa einem Jahr die US-Bürger von South Carolina, die sich gegen BASF zur Wehr setzten.

Hamburg GERHARD TAUKE

Wie wäre es, wenn man anstatt der Kirchensteuer Reinigungs- und Klärungsanlagensteuern zahlte? Damit könnte man statt Kirchen (die meistens doch leer stehen) -- Klärungsanlagen, Luftfiltrieranlagen und dergleichen errichten. Geld ist immer da -- nur muß man es sinnvoll auszugeben wissen!

Köln ERICA LEANDER

Schon vor 3000 Jahren wurde diese Entwicklung vorausgesehen: Denn tausend Erdenjahre sind wie ein Tag Im Geistigen (Ps. 90,4); und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie so bitter geworden waren (Oft. 8,11).

Hamburg J. EHLERS

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