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Hören und Sehen FOTOGRAFIE - Fotodienste per Datenleitung

aus DER SPIEGEL 12/2001

Digitalfotos haben viele Vorteile, sie gelten als schnell, billig und hip. Aber wer versucht, elektronische Urlaubsbilder mit einem Tintenstrahler auszudrucken, hat ein Problem: Der Vorgang ist quälend langsam und sündhaft teuer - ein Ausdruck in Postkartengröße kostet rund 1,50 Mark.

Tintendrucker werden nach dem alten Rockefeller-Petroleumlampen-Prinzip verkauft: Die Geräte gibt es fast umsonst, verdient wird am Verbrauchsmaterial. »Auch bei einem Zehntel des aktuellen Preises würden die Hersteller an den Tinten noch verdienen«, schätzt Manfred Schrey, Professor der Ingenieurwissenschaften an der Fachhochschule Köln. Die meisten Druckertinten sind derzeit noch derartig schlecht, dass sie nach drei Monaten Tageslicht ausbleichen oder ihre Farben verändern.

In diese Marktlücke dringen nun die herkömmlichen Fotolabore vor. Sie übertragen die Pixelbilder auf Fotopapier, sobald die Kunden ihre Elektrobilder übers Internet oder ein Bestellterminal im Fotoladen einsenden.

Hunderte solcher Stationen stehen bereits in Deutschlands Fotoshops. Um diese Service-Variante zu nutzen, bunkert der Fotograf zu Hause seine Bilddateien auf CD, Zip-Diskette oder einem anderen Wechselspeicher. Das Medium steckt er in die Digitalstation im Fotoladen und gibt über den Monitor Format und Zahl der gewünschten Prints ein. Gibt es keine spezielle Eingabestation, steckt der Besteller an der Fototheke sein Speichermedium - wie früher den Film - in die Tüte. Preis und Qualität sind ähnlich wie bei Chemiefilmen.

Der andere Weg führt übers Internet. Dort tummeln sich neben den großen Namen eine Vielzahl neuer Anbieter wie Colormailer, Pixelnet oder Pixum. Der Nachteil: Je besser die Bildqualität sein soll, desto länger die Übertragungszeiten und desto höher die Online- und Telefongebühren. Schon die Übertragung einer winzigen Bilddatei von einem Megabyte Größe nimmt trotz ISDN-Anschluss über eine Minute in Anspruch.

Clevere Fotohändler versuchen, das Bildergeschäft im eigenen Laden zu halten. Sie rüsten ihr Geschäft mit Bildbearbeitungsstationen auf, an denen der Kunde sein Digitalfoto selbst verändern und dann über einen angeschlossenen Fotodrucker ausgeben kann. Diese »Bildmanipulation im Stehen« ist nicht nur für die schätzungsweise 20 Prozent der Digitalfotografen interessant, die keinen eigenen PC besitzen, sondern auch für Leute, die es eilig haben und schon auf dem Heimweg einen Abzug in Händen halten wollen.

Auch das gute alte Fotoalbum kann digitalisiert werden, was »Albuming« oder »Photosharing« genannt wird. Die Fotos bleiben auf dem Server des Labors gespeichert; per Internet kann sie der Fotograf Freunden zugänglich machen oder sie, auf Wunsch, auf Tassen, T-Shirts oder Mauspads übertragen lassen.

Der neuartige Service erfreut sich wachsender Nachfrage. »Monatlich werden mehr als 100 000 neue Bilder hochgeladen und 8000 Alben angelegt«, sagt Daniel Attallah von der Website www.pixum.de.

Die 28 Millionen Nutzer traditioneller Kameras in Deutschland können ebenfalls an der digitalen Foto-Welt teilhaben, mit Bildbearbeitung am PC, Versand per Internet oder Fotos für die Homepage. Wenn der Kunde auf der Filmtüte nicht nur das klassische »Entwickeln und je 1 Abzug«, sondern zusätzlich »1 x Bilder-CD« ankreuzt, scannt das Labor alle Bilder und liefert sie auf CD samt kleinem Bildbearbeitungsprogramm. Dieser Service kostet rund 20 Mark.

Dass die Auflösung der komprimierten JPEG-Dateien dabei auf das Niveau einfacher Digitalkameras begrenzt bleibt, ist für die Verwendung auf der Homepage oder als E-Mail eher von Vorteil. Für eine Vergrößerung zum Riesen-Poster bleibt qualitätsbewussten Fotografen das Negativ auf Zelluloid - es ist immer noch schärfer als das beste Digitalfoto.

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