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PERSONALIEN Franz Josef Strauß, Dietrich Sperling, Sophia Loren, Steve Railsback, Heinz Günther Hüsch, Hans Matthöfer, Erhard Busek, Joseph Kardinal Ratzinger

aus DER SPIEGEL 24/1978

Franz Josef Strauß, 62 CSU-Vorsitzender verliert nach Meinung seiner Parteifreunde offenbar an Anziehungskraft. Strauß, der heim CSU-Parteitag am nächsten Wochenende zunächst als letzter sprechen sollte, wurde jetzt nach Ministerpräsident Goppel als zweiter Redner eingeplant. CSU-Sprecher Godel Rosenberg: »Wir fürchten, daß viele Journalisten nicht bis zum Ende ausharren: Da die Einladungen mit der alten Redner- Reihenfolge schon abgeschickt waren, ließen die Bayern neu eine neue Fassung in 2000 Exemplaren drucken.

Dietrich Sperling, 45. Parlamentarischer Staatssekretär im Bonner Städtebauministerium, wußte der Abwesenheit des weltweiten Krisenmanagers Helmut Schmidt beim Sommerfest des linken Leverkusener Kreises am vergangenen Dienstag eine gute Seite abzugewinnen: »Wenn der Bundeskanzler nicht kommt, dann kann das nur bedeuten: der Leverkusener Kreis ist nicht in der Krise«

Sophia Loren, 43, italienische Filmdiva, die sich seit zwanzig Jahren erfolgreich ziert, auch nur ihren Busen zu entblößen, soll sich vor Gericht verantworten: Weil sie in ihrem neuesten Streifen »Angela«. der eine »romantisch-tragische« Inzest- Beziehung schildert (Loren: »In dieser Geschichte darf es keine Vulgarität geben"), den eigenen Sohn liebt (dargestellt von dem Amerikaner Steve Railsback, 33, Photo), hat der Staatsanwalt von L'Aquila, Bartolomei, wegen »Obszönität« Anklage erhoben und den Film beschlagnahmt. Der Moralapostel aus den Abruzzen ist allerdings schon einschlägig bekannt: Er ließ auch schon Erica Jongs Werk »Angst vorm Fliegen« konfiszieren.

Heinz Günther Hüsch, 48, CDU-Bundestagsabgeordneter und, als Mitglied des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit, gemeinhin besonders an der Entwicklungshilfe für andere Länder interessiert, will nun bundesdeutschen Schülern auf die Sprünge helfen. Hüsch ließ auf eigene Kosten das Deutschlandlied mit Noten und Erläuterungen als Sonderheftehen drucken und bot allen Schulleitungen in seinem Wahlkreis Neuß-Grevenbroich 1 an, pro Schüler ein kostenloses Exemplar anzufordern » Bestellungen gingen reichlich ein. Hüsch hofft nun, »daß unsere jungen Menschen mehr als bisher ein inneres und begründetes Verhältnis zu unserem gemeinsamen Land gewinnen und keine Scheu haben, auch das Deutschlandlied zu singen«. Hans Matthöfer, 52, Bonner Finanzminister, scheiterte am vergangenen Mittwoch als Selbstdarsteller' Vor der Bundespressekonferenz, zu der er in Begleitung von Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff erschienen war, hatte Matthöfer bereits zwanzig Minuten über die jüngste Haushaltsdebatte referiert, als einer der anwesenden Journalisten den eigentlichen Grund für den Auftritt des Minister-Duos vor der Presse zu erfahren wünschte -- bislang habe man »nichts Neues« gehört. Matthöfer reagierte pikiert-. »Bevor irgend etwas spekuliert wird, haben wir gedacht, gehen wir zu Ihnen und beantworten Ihre Fragen, Das erleichtert Ihren Beruf. Aber wenn das nicht der Fall ist, machen wir es nicht mehr.« Anspielend auf den Rücktritt von Maihofer am Vortag, konterte darauf der amtierende Vorsitzende der Bundespressekonferenz, Gerd Lotze: »Nein. wir sind recht dankbar, und nach den gestrigen Neuigkeiten ist es ganz gut, heute einmal keine zu erfahren,« Joseph Kardinal Ratzinger, 51. Erzbischof von München und Freising, machte sich pünktlich zur Weltmeisterschaft im Bayerischen Rundfunk oberhirtliche Gedanken zum Phänomen einer fußballbegeisterten Welt: Das Fußballspiel symbolisiere das Leben selbst und nehme es in einer freigestalteten Weise voraus. Dabei werde der Mensch genötigt, zunächst sich selbst in Zucht zu nehmen, so daß er durch Training die Verfügung über sieh selbst gewinnt, durch Verfügung Überlegenheit und durch Überlegenheit Freiheit, doch, so der Kardinal, »alles kann verdorben werden, durch einen Geschäftsgeist, der das Ganze dem düsteren Ernst des Geldes unterwirft und das Spiel in eine Industrie verkehrt«,

Erhard Busek, 37 (Photo, l.), Wiener Chef der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) und somit Oppositionsführer im Wiener Stadtparlament, ließ sein rundliches Gesicht von geschickten Werbeleuten verfremden, um als smarter Typ für die auf Oktober angesetzten Wiener Gemeinderatswahlen auf Stimmenfang zu gehen. Auf dem Cover einer Tonband-Kassette mit Liedern der Wiener Popgruppe »Misthaufen«, die die Wiener ÖVP an junge Bürger verteilen läßt, lächelt ein erschlankter Busek (Photo u.). Busek, nach eigener Einschätzung sonst eher mit dem Image einer »Knackwurst mit Brille« behaftet, hofft so, die rund 40 000 Wiener Jungwähler für seine »Partei, die neue Wege geht und sich gerade deshalb an Sie wendet«, zu mobilisieren,

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