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FRANZ MEYERS

aus DER SPIEGEL 10/1964

FRANZ MEYERS

hat nach eigenen Worten einst »Verwaltungsrecht studiert, um einmal rheinischer Oberbürgermeister zu werden«. Dieses Ziel erreichte der 1908 geborene Polizistensohn und Rechtsanwalt 1952 in seiner Heimatstadt Mönchengladbach, wenn auch nur für einige Monate. Dann berief Nordrhein-Westfalens CDU -Ministerpräsident Karl Arnold den liberalen Parteifreund als Innenminister in das Düsseldorfer Landeskabinett.

Meyers bemühte sich um eine Verwaltungsreform, jedoch ohne rechten Erfolg. Ende 1954 wurde er als »Pistolen-Meyers« bekannt; er hatte der ihm unterstellten Polizei Schießbefehl gegeben, damit sie eine Serie von Autobahn-Räubereien rücksichtslos bekämpfen könne. Die Räuber wurden nie gefaßt, die Frau eines Tankwarts wurde von Polizisten erschossen.

Als im Februar 1956 FDP-Jungtürken und SPD das Kabinett Arnold stürzten, kehrte Meyers in seine Mönchengladbacher Anwaltspraxis zurück. Im selben Jahr wurde er in den Geschäftsführenden CDU-Bundesvorstand gewählt, und ein Jahr später erwarb er sich als Bundeswahlkampfleiter der CDU das Wohlwollen Kanzler Adenauers. Nachdem - die Christdemokraten 1958 in Nordrhein -Westfalen die absolute Landtags -Mehrheit gewonnen hatten, half Adenauer seinem Wahlhelfer Meyers gegen den Widerstand des westfälischen Rivalen Dufhues auf den Sessel des NRW-Ministerpräsidenten.

Damals war das Ruhrgebiet gerade aus seinem steilen Nachkriegs-Aufschwung in die Kohlenkrise abgerutscht. Die industrielle Kernregion der Bundesrepublik - ost-westliche Ausdehnung rund 100 Kilometer, nord-südliche im Durchschnitt 30 Kilometer, Bevölkerung fast sechs Millionen - zeigte bald noch weitere alarmierende Schwächezeichen (siehe Graphik Seite 37).

Ende 1960 setzte deshalb die Düsseldorfer Landesregierung einen interministeriellen Ausschuß ein, der »Grundlagen zur Strukturverbesserung« des Ruhrgebiets erarbeiten sollte. Der Ausschußbericht liegt seit Januar dieses Jahres vor. Er konstatiert die Gefahr eines »Schrumpfungsprozesses« und empfiehlt ein umfangreiches Programm zur Förderung und Sanierung des Reviers, vor allem bei Verkehrseinrichtungen, Wasserwirtschaft, kulturellen Einrichtungen, Erholungsgebieten, Städtebau und Säuberung der Luft.

Als vordringlich für eine Strukturverbesserung bezeichnet der Bericht die »Beseitigung der Einseitigkeit im industriellen Aufbau (der Ruhr) durch die Ansiedlung ... bisher nur wenig vertretener Industriezweige«. Wenn aber andere Branchen an der Ruhr neben Kohle und Stahl größeres Gewicht bekommen sollen, muß für sie in dem überfüllten Gebiet zunächst Platz gefunden werden.

Der Bericht vermerkt: »Hierin ist überhaupt das Kernproblem aller Überlegungen für die strukturelle Verbesserung des Ruhrgebiets zu sehen.

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