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MONTAG Frasier/Seinfeld

18.25 / 18.50 Uhr Kabel 1
aus DER SPIEGEL 17/1995

Sitcoms spielen in ähnlich kärglicher Ausstattung und mit ähnlich knapper Besetzung wie all die Soaps, die derzeit mit ihrem pubertären Getöse das Vorabendprogramm verstopfen. Was sie von den Seifenspielen unterscheidet, soll der Humor sein, dem mit Gelächter vom Band nachgeholfen wird. Kabel 1 startet heute zwei in den USA erfolgreiche Sitcoms. In »Frasier« geht es um einen Psychiater (Kelsey Grammer), der nach verkorkster Ehe einen neuen Job als Psychologe bei einem Radiosender in Seattle antritt. Das Leben könnte für ihn so schön sein mit Freundin und schicker Penthousewohnung - wenn sein hinterlistiger Bruder dem Seelendoktor nicht den verrückten Daddy samt Sperrmüllfernsehsessel als Pflegefall ins Haus geschickt hätte. Die zweite Sitcom mit dem heideggersch klingenden Titel »Seinfeld« handelt von einem Standup-Komödianten gleichen Namens und seinen drei Freunden, die herumhängen und quatschen. Die Idee zu dem Spiel könnte auch vom Schwarzwälder Seins-Philosophen stammen: Das Ganze soll von nichts handeln. *VORSPANN: 20.15 - 20.59 Uhr ARD *ÜBERSCHRIFT: Wunder der Erde

Der Tierfilmer Ernst Waldemar Bauer zeigt Eisbären in der Arktis. Während die Männchen in der Polarnacht als Einzelgänger auf Beutejagd das Eis durchstreifen, graben die Weibchen tiefe Höhlen in den Schnee, um ihre winzigen, kaum rattengroßen Jungen zur Welt zu bringen. *VORSPANN: 20.15 - 21.40 Uhr 3Sat *ÜBERSCHRIFT: Weiß sie, wie man Kuchen backt?

Weiß sie nicht. Macht auch nichts. In Henry Jagloms skurrilem Stadtneurotiker-Reigen von 1983 führen ein paar Ureinwohner von Manhattan mit liebevoll-genauem Blick beobachtete Paarungsrituale auf. Die hinreißende Karen Black und der Regisseur selbst (unter dem Pseudonym Michael Emil) spielen die Hauptrollen. *VORSPANN: 22.20 - 0.05 Uhr Arte *ÜBERSCHRIFT: Stroszek

Wenn Stroszek (Bruno S.) zu Beginn des Werner-Herzog-Films (BRD 1976) aus dem Gefängnis entlassen wird, macht der Film sein Erzählprinzip deutlich. Auf alle Fragen der Beamten, die ihm Schlüsselbund, Taschenmesser und Signalhorn aushändigen, antwortet der Stadtstreicher in Kaspar-Hauser-Manier: »Stroszek, einsachtundsechzig, oval, graugrün, ohne« - ein Protest des Sprachgestörten gegen die Idiotie des Entlassungszeremoniells. Mit einem Rentner (Clemens Scheitz) und einer Hure (Eva Mattes) wandert Stroszek nach Wisconsin aus, doch die Ballade endet schlecht: Eva brennt mit einem Trucker durch, das gemeinsame Mobile-home kommt unter den Hammer, Stroszek erschießt sich. Den ganzen Film durchzieht ein irrer Witz, eine chaplineske Faszination für das Ungewöhnliche und Bizarre.

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