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ÄGYPTEN Frauen auf dem Vormarsch

aus DER SPIEGEL 16/2007

Die Ernennung von 31 Richterinnen löste in Kairo unter konservativen Muslimen eine Welle der Empörung aus. »Wenn Frauen als Richterinnen arbeiten, bedeutet dies, dass sie sich zu Beratungen allein mit Männern in einem Raum aufhalten müssen«, machte der Vorsitzende der Richtergewerkschaft, Jahja Raghib Dakruri, Front gegen

die Vereidigung der Juristinnen. Dies sei ein Verstoß gegen die Scharia, die islamische Rechts- und Gesellschaftsordnung, und daher unangemessen, ereiferte sich das prominente Mitglied der konservativen Muslimbruderschaft. Außerdem seien Frauen zu emotional, um über Recht und Unrecht zu entscheiden.

Andere Eiferer beriefen sich auf den Koran, in dem es heißt, dass vor Gericht die Aussage einer Frau nur halb so viel gelte wie die eines Mannes. Im Umkehrschluss argumentieren die religiösen Ultras, die Frauen könnten deshalb nicht einem Gericht vorstehen.

Obwohl Ägypten Frauen schon seit 1956 alle politischen Rechte einräumt, konnte bislang erst eine Frau in die Männerdomäne der Richterschaft vordringen: Seit 2003 arbeitet Tahani al-Gabali als Richterin am Verfassungsgericht. Andere arabische Staaten sind da weiter. In Marokko etwa gibt es seit 1959 Richterinnen, heute besetzen Juristinnen rund die Hälfte aller Richterstellen in dem Maghreb-Land.

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