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Briefe

Frauen ran
aus DER SPIEGEL 30/1972

Frauen ran

(Nr. 28/1972, SPIEGEL-Titel über das »Geschäft mit der Rüstung")

Im Zeichen einer sich abzeichnenden Entspannung in Europa finde ich es schockierend, daß ausgerechnet deutsche Firmen in zunehmender Weise von den Rüstungsaufträgen abhängig werden, und, wenn die Aufträge ausbleiben. nach Subventionierung schreien. Ich glaube, daß einige führende Herren der Rüstungsbranche insgeheim ihre amerikanischen Konkurrenten beneiden, die sich, durch den Vietnamkrieg bedingt. über mangelnde Aufträge aus dem Pentagon nicht beklagen können.

Wehrendorf (Nrdrh.-Westf.) HORST STEINGRÄBER

Welch eine eindrucksvolle Verbindung von scheinbar nicht zu Verbindendem. Ausdruck traditionell deutscher Schizophrenie und zynische Mißachtung sämtlicher historischer Lehren: auf der einen Seite ein Kanzler mit Friedensnobelpreis und ein Präsident, der wegen der Restauration deutschen Wehrwesens seinerzeit die Partei wechselte, auf der anderen Seite ein neuerlicher Höhepunkt in der Geschichte der unseligen Allianz von Großindustrie und Militär.

Bad Hersfeld WINFRIED HUCKE

Der leider bei uns verfemte Rapacki hatte mit seiner Forderung nach der Schaffung neutraler Zonen in Europa also doch recht. Da sie es nicht lassen können -- nämlich die Deutschen wollte der Pole hierdurch den nächsten Krieg möglichst lange hinausschieben.

Reichshof (Nrdrh.-Westf.) HANS BOCKEMUEHL

In Ihrer Titelgeschichte glaubt Ludwig Bölkow, daß seine Waffenexporte Kriege verhindern. Das genaue Gegenteil ist der Fall! Ohne die Rüstungslieferungen der westlichen und östlichen Industriestaaten wären viele Kriege in der Dritten Welt nicht entstanden.

Berlin ROLAND HENTZSCHEL

Während der Klub von Rom errechnet, wann die natürlichen Reserven unseres Erdballes verbraucht sind, wird in der Waffenschmiede Europas das Feuer geschürt. Wann endlich wollen diese Herren dazu beitragen, die »Qualität des Lebens« zu verbessern!

Hornberg (Bad-württ.) HEINZ BIRKMANN

Die Frage lautet doch nicht »Geschäft mit der Rüstung«, sondern »Wachstumsminderung oder Rüstung«. Auch macht Ihr Artikel keinesfalls die entscheidende Schicksalsfrage deutlich, ob ein Konflikt zwischen diesen beiden Prioritäten überhaupt möglich ist oder sich nicht beide Begriffe inhaltlich ausschließen müssen.

Speyer (Rhld.-Pf.) HELMUT-MARIA GLOGGER

In den Rüstungsfabriken herrscht Hochkonjunktur: die aufgestapelte Munition dient zum Feuerwerk bei Schützen- und Gartenfesten? Die Bevölkerung ist im »Bild« und zufrieden.

Salzgitter (Nieders.) HANS UECKERT

Mich beruhigt es, daß die Russen auch nicht schlafen. Ein zweiter Narr könnte sonst versuchen, die verlorenen Ostgebiete mit diesen Qualitätswaffen »made in Germany« wiederzuholen.

Bonn GEORG PURUCKER

Seit meiner Pensionierung war ich freiberuflich tätig. Diese Tätigkeit befaßte sich mit Erstellen von Gutachten, Verfassen von Stellungnahmen, Analysen und schriftstellerischen Arbeiten. Ich war nie Angestellter einer Rüstungsfirma.

Koblenz H. MÄDER

Generalleutnant a. D.

»Die Flugzeuglobhy plant zudem ein 'Haus der Luftwaffe', in dessen zwangloser Klubatmosphäre sie ihre besonderen Geschäftsbeziehungen zu den aktiven Kameraden pflegen will« Die Feststellung ist unzutreffend und irreführend.

Die »Gemeinschaft zur Förderung eines Hauses der Luftwaffe« setzt sich zusammen aus über 1100 Angehörigen der Luftwaffe aller Dienstgrade und 20 Luftfahrtbeflissenen aus dem militärischen und zivilen Bereich. Die Satzung des beim Amtsgericht Bonn eingetragenen Vereins läßt nur die Mitgliedschaft von Einzelpersonen und nicht von Firmen zu. Das Vermögen dieses »Sparvereins« wird ausschließlich aus den Beiträgen der Mitglieder und gelegentlichen Überschüssen aus Veranstaltungen des Führungsstabes der Luftwaffe gebildet. Spenden aus Industriekreisen. insbesondere von Firmen der Luftfahrtindustrie« sind dem Verein nicht zugegangen.

Bonn GÜNTHER RALL Generalleutnant

1. Vorsitzender der Gemeinschaft zur Förderung eines Hauses der Luftwaffe e.V.

Sie schreiben, der ökonomische Aufschwung des Industrieraumes München sei beispielsweise entscheidend von der Rüstungsindustrie bestimmt worden, und nennen in diesem Zusammenhang auch Siemens. Tatsächlich erreichten unsere Lieferungen an Bundeswehr und Stationierungstruppen im letzten Jahr noch nicht ein Prozent unseres Inlandsumsatzes, man kann Siemens also nicht vorbehaltlos der »Rüstungsindustrie« zuordnen. Soweit es Siemens betrifft -- und unser Unternehmen ist der bei weitem größte Arbeitgeber in München -, ist deshalb auch die Lebensfähigkeit der Olympiastadt nicht »abhängig von einem kontinuierlichen Geldfluß aus dem Militärhaushalt«.

München DR. ALEXANDER GROSSMANN

Siemens AG.

Standard Elektrik Lorenz hat zu keinem Zeitpunkt auch nur einen Pfennig im Zusammenhang mit dem Projekt »Fregatte« erhalten. Richtig ist vielmehr, daß unser Haus ein Angebot ausgearbeitet hat, mit dem Ziel, das Projektmanagement zu übernehmen.

Stuttgart H. TOTSCHE

SEL-Pressestelle

Die Frage nach der Berechtigung solch horrender Ausgaben für die Rüstung heute ist zugleich die Frage einer dynamischeren sozietären Gewissensbildung.

Freiburg EGON BREMREINER

Welcher (Wohlstands-)Teufel reitet die lohnabhängigen Massen in den Rustungsbetrieben, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln?

Mayen (Rhld.-Pf.) ANTON LANG

Wir haben endlich die Vergangenheit bewältigt, das Zusammenspiel der Rüstungsmanager und der Militärs klappt wieder vortrefflich.

Königslutter (Nieders.)

REINHARD KINDERMANN

Noch vor einer Woche hätte ich jeden ausgelacht. der mir hätte erzählen wollen. daß sich eine deutsche Zeitschrift kritisch mit der deutschen Rüstungswirtschaft auseinandersetzen würde. Ich bin eines besseren belehrt worden.

Wirges (Rhld.-Pf.) OSKAR RHENSIUS

Schluß mit der Männerherrschaft! Wählt Frauen in den Bundestag. damit wir endlich Wohnungen statt Panzer. Schulen statt Starfighter und Schwimmbäder statt Atom-U-Boote bekommen!

München BRIGITTE STEIN

Vorstand Frauenforum München

Von welchen der Rüstungsbetriebe in Westdeutschland erhielt die Baader-Meinhof-Gruppe ihre Munition? Beruhigend zu wissen, daß wenigstens, wenn auch nur ein ganz kleiner Teil, in unserem eigenen Land spürbar wurde!

Gütersloh ANGELA DRAUGELATES

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