Zur Ausgabe
Artikel 118 / 132
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

Frech und verwöhnt
aus DER SPIEGEL 50/1999

Frech und verwöhnt

Nr. 47/1999, Bauindustrie: Die Deutsche Bank und das Milliardenloch bei Holzmann; Nr. 48/1999, Regierung: Schröder rettet sich und Holzmann; Holzmann: Die riskante Rettung des Baukonzerns

Die PR-Berater des Bundeskanzlers hätten es selbst nicht besser inszenieren können. Innenpolitisch stark angeschlagen, kam die drohende Firmenpleite des Frankfurter Bau-Multis Holzmann für Gerhard Schröder gerade zur rechten Zeit. Indem der Kanzler die Finanzkrise zur Chefsache machte, erhoffte er sich durch sein persönliches Engagement, jüngst verloren gegangene Sympathien auf Arbeitnehmerseite zurückzugewinnen. Bei den Beschäftigten der Philipp Holzmann AG ist ihm dies vorerst gelungen. Wie gut die Kontakte des »Genossen der Bosse« zur Bank- und Finanzwelt tatsächlich sind, wird mitentscheidend dafür sein, ob Schröder auch in Zukunft punkten kann.

BERLIN LARS F. WAGNER

Falls Schröder wirklich begreift, was er bei Holzmann getan hat, und daraus die richtigen Schlüsse zieht, hat er noch eine Chance. Es kann nicht sein, dass die Existenz der Menschen von den Marktspielen einiger Kapitalmanager abhängt, zumal diese keinesfalls überdurchschnittlich schlau sind.

MÜNCHEN WERNER MITKIN

Wurde da von unserem Kaschmir-Kanzler nicht wieder einmal eine oberflächliche PR-Aktion auf Kosten des Steuerzahlers abgezogen? Schwerer aber wiegt, dass sich bundespolitisch ein Regierungsstil durchgesetzt hat, der keine Richtung mehr erkennen lässt. Heute der Kanzler der Bosse, morgen dirigistische Staatseingriffe à la PDS. Die sich hierauf breit machende Ungewissheit und Unvorhersehbarkeit vernichtet mehr Arbeitsplätze, als die Blitzaktion scheinbar gerettet hat.

HILDBURGHAUSEN (THÜRINGEN)

CHRISTIAN HOPF

Die Gründe der fast 30 000 Firmenpleiten in diesem Jahr nennen die Bosse »Wirtschaftsregularien, in die der Staat wegen der freien Marktwirtschaft nicht eingreifen darf«. Greift der Sozialstaat dennoch ein, handelt er gegen die Regeln. Unsere Kapitalisten sind ganz schön verwöhnt und frech.

HAMBURG HANS KLEINKE

So leid es einem für die Betroffenen tut, richtig und unserer Gesellschaftsform entsprechend wäre die Schließung des Betriebs gewesen und Vorstand nebst Aufsichtsrat einmal nicht mit Millionenbeträgen für ihre Unfähigkeit abzufinden, sondern zur Verantwortung zu ziehen.

KAISERSLAUTERN GERHARD KNIPPING

Zur Ausgabe
Artikel 118 / 132
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.