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Frech wie Oskar

aus DER SPIEGEL 1/1996

Für Helmut Kohl war es eine helle Freude. Die von ihm sanft geschmähten »Sozen« rutschten mit Rudolf Scharping auf ein historisches Tief in der Wählergunst. Die SPD hatte nur mehr mit sich selbst zu tun - bis einer, frech wie Oskar, die Lage veränderte. Der saarländische Ministerpräsident Lafontaine drückte den per Mitgliederentscheid eingesetzten Parteichef Scharping beiseite, und Kanzler »Buddha« Kohl saß wieder auf dem großen Haufen der eigenen ungelösten Probleme: einem Sozialstaat, der immer weiter in die roten Zahlen schlittert; einer Europäischen Währungsunion, die zunehmend in Mißkredit gerät; einem freidemokratischen Regierungspartner, der zusehends an Kraft und schließlich auch noch die Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger verlor.

Die CSU, die zu Straußens Zeiten dem großen Unionspartner kräftig zuzusetzen pflegte, ließ den Regierungssitz Bonn in Ruhe. Das Ungemach lag in diesem Jahr für die Bayern rheinaufwärts, in Karlsruhe. Das Kruzifix-Urteil las sich im Alpenland, als wäre das Bundesverfassungsgericht des Teufels.

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