Zur Ausgabe
Artikel 27 / 60

Frei-Arbeiter oder P. G.

aus DER SPIEGEL 6/1947

Frankreich hat in seiner Antwortnote an

Amerika eingewilligt, die rund 600 000 deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich bis zum 1. Oktober 1947 zu entlassen.

Als Ausgleich für den Verlust, den die französische Wirtschaft durch die Entlassung der deutschen Kriegsgefangenen erleide, hat Amerika Frankreich die Genehmigung erteilt, zivile Arbeitskräfte in der amerikanischen Besatzungszone Deutschlands anzuwerben.

Frankreich will nach Möglichkeit auch die 600 000 von Amerika übernommenen Kriegsgefangenen als »freie Arbeiter« für den Wiederaufbau verpflichten.

Das unfreiwillige Angebot »freier Arbeitsvertrag oder Heimkehr« gilt nur für die Kriegsgefangenen, die von den Amerikanern gefangen, dann aber der französischen Wirtschaft zur Verfügung gestellt wurden. Die Deutschen, denen der Schlachtengott ungünstig gesinnt war, die also »Prisonniers de Guerre« und nicht »Prisoner of War« wurden, müssen warten, was der Friedensvertrag über sie beschließt.

Behandlung und Entlassung der französischen Kriegsgefangenen, von der deutschen Presse schon lange kritisiert, waren somit Gegenstand internationaler Gespräche.

Es begann damit, daß sich die drei Ministerpräsidenten der US - Zohe bei General Clay über die Zustände in Frankreichs Gefangenenlagern beklagten Eine Kommission des Genfer Internationalen Roten Kreuzes schickte nach einer Reise durch die französischen Gefangenenlager einen Bericht nach Washington, in dem es u.a. heißt, die deutschen Kriegsgefangenen befänden sich in einem »körperlich sehr ungünstigen Zustand«. (Die Verpflegungsration beträgt offiziell 2000 Kalorien.)

Das Komitee bat, Frankreich zu ersuchen, den Zustand zu bessern. Als Antwort auf den amerikanischen Protest hat sich Frankreich dann zur Entlassung bereit erklärt.

Mehr lesen über

Zur Ausgabe
Artikel 27 / 60
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.