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ORDEN Freid gmacht

Alte Kameraden von der Waffen-SS ehrten im bayrischen Sonthofen einen Kampfgefährten von einst mit dem Ritterkreuz.
aus DER SPIEGEL 22/1976

Im Januar 1945 focht Friedrich Buck, Oberscharführer der 5. Schwadron des SS-Kavallerie-Regiments 18, im Budapester Kessel, als ihn Belobigung erreichte. Per Funk verlieh der Führer seinem Frontsoldaten die Goldene Nahkampfspange und das Ritterkreuz. Buck heute: »Da muß mehr scho viel mache, bis mer eines kriegt.«

Doch ein Kreuz war gerade nicht zu kriegen, und so legte Bucks Befehlshaber. Budapest-Verteidiger General Karl von Pfeffer-Wildenbruch, sein eigenes Ritterkreuz ab und reichte es dem 23jährigen Soldaten. Buck geriet in Gefangenschaft, der Orden in Russenhand.

Erst jetzt kam Buck, mittlerweile 54 und Gießereitechniker bei Bosch in Stuttgart, zum eigenen Ehrenzeichen

überreicht von alten Kameraden. Ex-Regimentskommandeur Johannes Göhler, Vorsitzender einer »Truppenkameradschaft der Kavallerie-Einheiten der ehemaligen Waffen-SS«, arrangierte die »kameradschaftliche Geste«. Und die Ehrung selbst nahm gar ein einstiger Generalmajor der Waffen-SS vor, Gustav Lombard, 81 und kein bißchen leise: »Der junge Mann machte einen ausgesprochen guten Eindruck.« Es geschah bei einem Veteranen-Treffen im bayrischen Sonthofen, wo Ende April 500 Ehemalige der Waffen-SS zur Pflege kriegsseliger Erinnerungen zusammenkamen. Die »Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der Soldaten der ehemaligen Waffen-SS« (Hiag) hatte die Reste der früheren Divisionen »Maria Theresia«, »Lützow« und »Florian Geyer«, zu der auch Bucks Regiment gehörte, in das Soldatenheim des bayrischen Luftkurorts gerufen.

Die Träger des Heims, Stadt und evangelische Kirchengemeinde, hatten an den alten Herren nichts auszusetzen, denen andernorts, wie jüngst in Hamburg, schon mal Tagungsräume verweigert werden. In Sonthofen finden die Ordensbrüder im Soldatenheim allmonatlich ein offenes Haus. »Bei der Hiag«, so Sonthofens SPD-Bürgermeister Karl Blaser, handele es sich schließlich »nicht um eine verbotene Vereinigung«.

Peinlich berührt zeigte sich lediglich die Bundeswehr, deren Hauptmann Otto Pfau vom Instandsetzungsbataillon 480 in Sonthofen in Uniform zum Veteranen-Treffen gekommen war. Das Bundesverteidigungsministerium mißbilligte im nachhinein den Auftritt, Dienstvorgesetzte monierten das »ungeschickte Verhalten« des Hauptmanns.

Die Feier selbst verlief harmonisch. Der Deutsche Soldatenbund ließ durch den pensionierten Bundeswehr-Oberst Herbert Mitzscherlich die ehrenwerte Gesellschaft schön grüßen. Festredner Lombard' der sich einst »mit Passion in den Dienst im Reitersturm stürzte«, beschrieb Aufstieg und Fall der berittenen SS. Dann ehrte er Buck. wie es der Führer einst versprochen hatte; nur fehlt am Orden, den er vergab, dezenterweise das Hakenkreuz.

Erst kurz zuvor hatte die »Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger des Eisernen Kreuzes und der Träger des Militär-Verdienst-Kreuzes« den Kämpfer von Budapest aufgestöbert und dem Verein zugeführt. Gemeinschafts-Geschäftsführer Gerhard von Seemen: »Das kommt immer wieder mal vor, daß irgendwo noch ein Ordensträger ermittelt wird, der vielleicht noch nicht einmal von der Verleihung weiß.«

Den letzten Beweis für eine ordentliche Ordensverleihung finden die »späten Studenten der Geschichte« (von Seemen) zumeist in diversen Bundesarchiven, wo Unterlagen über 7300 Ritterkreuzträger längst nicht alle gesichtet sind; so braucht Buck, meint von Seemen, »keineswegs der letzte zu sein«, der noch sein Kreuz zum Tragen kriegt.

Veteran Buck war von den Bemühungen in seinem Falle angetan: »Die habberner a riesige Freid gmacht.«

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