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Briefe

Freimaurer in Italien
aus DER SPIEGEL 27/1950

Freimaurer in Italien

Vielleicht interessieren sich die Leser Ihres Berichtes über die Freimaurer (SPIEGEL Nr. 25/50) für einige Einzelheiten über die sieben, heute in Italien existierenden Freimaurergruppen Politisch am weitesten links steht Gruppe Nr. 1 die gleich nach der alliierten Besetzung Roms von den Amerikanern anerkannt wurde. Ihr Großmeister Mori ist Mitglied der Linkssozialisten Christliche Demokraten und Neofaschisten haben keinen Zutritt zu seiner Großloge. Auch die Gruppe 2 stützt sich auf amerikanische Sympathien. Ihr Großmeister Martello hat die Bilder alter USA-Präsidenten die Freimaurer waren, in seinem Zimmer hängen. Gruppe Nr. 3 bucht für sich, daß sie den historischen Sitz der italienischen Freimaurer am römischen Jesus-Platz okkupiert. Ihr Großmeister De Franchis hat außerdem 12 der 19 überlebenden Mitglieder des letzten. 1925 aufgelösten »Obersten Rates der 33« hinter sich. Gruppe Nr. 4 und ihr Großmeister De Cantellis hingegen sicherten sich das offizielle Siegel und damit wichtige Ansprüche. Gruppe Nr. 5 hat ganz demokratisch, aber ebenso unmaurerisch den Linkssenator Labriola zum Großmeister gewählt. Der brachte schon fünf andere »Souveräne« zur Unterwerfung. Gruppe Nr. 6 mit Großmeister Terzani steht am weitesten rechts, Sie unterstützt als einzige die Regierung De Gasperi und sucht Berührung mit der katholischen Kirche. Die Gruppe 7 des Großmeisters Messineo endlich hat die sechs anderen höchst feierlich aus der Freimaurerei ausgestoßen. Vor einigen Wochen sollte diese Gruppe aus ihren Logenräumen im Palazzo Borghese vertrieben werden. Großmeister Messineo rief die Presse zusammen: »Nur über meine Leiche!« Doch sein Oberster Rat verbot ihm den Selbstmord Der Tempel wurde geräumt.

Rom

Dr. HORST J. BECKER

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