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Freispruch für Gaus

aus DER SPIEGEL 46/1980

Staatssekretär Günter Gaus mußte in der vergangenen Woche eindringliche Fragen des Kanzleramtsministers Gunter Huonker beantworten. Aufgrund von Zeitungsmeldungen war in Bonn der Verdacht aufgetaucht, Gaus habe 1974 ohne Absprache mit Regierungschef Helmut Schmidt zugesagt, die Bundesregierung werde bis zu seiner Ablösung die Ständige Vertretung zur Botschaft aufwerten und auch einen DDR-Botschafter akkreditieren. Das Versprechen soll Gaus dem stellvertretenden DDR-Außenminister Kurt Nier gegeben haben.

Der Chef der Bonner Mission in Ost-Berlin dementierte energisch. Er beschied den für Deutschland-Politik zuständigen Huonker: »Alles Quatsch.« Er könne sich die Meldungen allenfalls mit einer Verwechslung erklären, denn mit Nier sei seinerzeit der Status der Vertretungen eindeutig bestimmt worden. Darüber hinaus habe es lediglich Gespräche im Zusammenhang mit der Anbindung der Vertretungen an die jeweiligen Ministerien gegeben.

Zwar sei im Grundlagenvertrag festgehalten worden, daß für die Bonner das Ost-Berliner Außenamt, für die DDR-Vertretung jedoch das Kanzleramt zuständig ist. Nier habe aber, so erinnert sich Gaus, gefragt, ob denn DDR-Diplomaten keinen Zugang zu anderen Bonner Ministerien haben könnten. Seine damalige Antwort: Dies werde sich im Laufe der Zeit von selbst entwickeln.

Die Bonner reagierten auf die jüngsten Berichte so argwöhnisch, weil Gaus schon einmal einen deutschlandpolitischen Alleingang wagte. In einem SPIEGEL-Gespräch im Januar 1977 hatte der Staatssekretär -- ohne seine Vorgesetzten vorab zu informieren -- die Frage der Staatsangehörigkeit zur Debatte gestellt.

Bonner Deutschland-Experten waren mit der Erklärung von Gaus in Sachen Statusveränderung jetzt allerdings zufrieden.

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