Zur Ausgabe
Artikel 4 / 89
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Fremde Armee

aus DER SPIEGEL 15/1972

Uganda-Staatschef Idi Amin, »ehrlicher Freund Israels und Bewunderer seiner Armee«, entdeckte auf einmal »Machenschaften des zionistischen Imperialismus«. Nachdem Tel Aviv dem einstigen Meisterboxer im letzten Herbst eine Einladung und dann auch Kredite zum Ankauf israelischer Kurzstart-Transportflugzeuge verweigert hatte, befand der General vergangene Woche plötzlich, alle 700 in Uganda lebenden Israelis seien militärisch ausgebildet und somit »eine fremde Armee, die ich ... nicht dulden darf« -- er kündigte die Verträge für die (etwa 60) israelischen Militärberater in seinen 18 000-Mann-Streitkräften und schränkte die Tätigkeit ziviler Unternehmen aus dem bis dahin befreundeten Land ein. Grund des Sinneswandeis: Nach je 50 Millionen Mark israelischer Hilfe für zivile und militärische Investitionen war der Ostafrikaner nicht mehr sicher, daß Tel Aviv neben Hilfsbereitschaft auch Kapitalkraft aufzuweisen habe. Neue Geldgeber fanden sich sofort: Libyens Oberst Gaddafi (der schon Mitte Februar einen 18-Millionen-Dollar-Kredit offerierte), die Sowjet-Union (die einen Ausbau ihrer bisherigen Militärhilfe zusagte) und Ägypten (das ihm die Übernahme der künftig ausbleibenden israelischen Leistungen signalisierte).

Zur Ausgabe
Artikel 4 / 89
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.