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Fronde gegen Kohl

aus DER SPIEGEL 30/1982

Spitzenpolitiker der norddeutschen CDU haben sich darüber verständigt, daß - und wie - sie den bisherigen christdemokratischen Kanzlerkandidaten Helmut Kohl von der Macht in Bonn fernhalten wollen.

Der beste Weg wäre, darin waren sich die Ministerpräsidenten Gerhard Stoltenberg und Ernst Albrecht, der Berliner Bürgermeister Richard von Weizsäcker und Hamburgs Oppositionsführer Walther Leisler Kiep einig, im Bonner Parlament Neuwahlen zu erreichen; ihnen soll dann ein CDU-Bundesparteitag vorausgehen, auf dem die vier einen eigenen Gegenkandidaten zu Kohl präsentieren wollen.

Für einen solchen Parteitag rechnen sich die Kohl-Widersacher inzwischen eine solide Mehrheit aus, während in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein Votum zugunsten des gegenwärtigen Oppositionsführers ausfallen würde.

Aber auch für den Fall, daß Neuwahlen nicht erreichbar sind, will die norddeutsche CDU in die Offensive gehen, allerdings dann erst nach den schleswig-holsteinischen Landtagswahlen am 13. März nächsten Jahres. Danach soll Kohl offen herausgefordert werden - durch einen Kanzlerkandidaten Stoltenberg, wenn der seine Wahl überzeugend gewonnen haben sollte, oder durch einen Kanzlerkandidaten von Weizsäcker, der nach Ansicht der Kohl-Gegner in Berlin beweist, daß er in der gesamten Union akzeptabel wäre.

Ernst Albrecht, so heißt es, habe inzwischen seine Kanzlerambitionen zurückgestellt: Er gilt als Affront für CSU und CSU-Chef Franz Josef Strauß. »Im Interesse der Sache«, so einer der vier Verschwörer, habe Albrecht daher auf eine Kanzlerkandidatur für die nächste Bundestagswahl verzichtet.

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