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KENNEDY-BÜCHER Frühstück in Unterhosen

aus DER SPIEGEL 52/1966

Er galt 21 Jahre lang als bester Freund

John F. Kennedys und enger Vertrauter der Kennedy-Familie. Doch als er jetzt 12 000 Mark als Stiftung für die geplante »John-F.-Kennedy-Gedächtnis-Bibliothek« überwies, da schickte die Witwe des ermordeten US -Präsidenten das Geld zurück. Sie nannte die Spende »heuchlerisch«.

Senator Robert Kennedy spricht schon seit dem Frühjahr nicht mehr mit dem Freund des toten Bruders. Er wird, so die »World Journal Tribune«, von der Familie Kennedy »kalt verachtet«,

Grund: Paul Fay, 48, Präsidenten -Freund, kalifornischer Bauunternehmer und ehemaliger Staatssekretär der US -Navy, veröffentlichte unter dem Titel »The Pleasure of His Company« (deutsch etwa: »Das Vergnügen, mit ihm zusammenzusein") ein Buch, in dem er John F. Kennedy so schildert, »wie ihn ein Freund persönlich kennengelernt hat"*.

Fay fiel als zweiter Autor des Verlages Harper & Row binnen weniger Wochen beim Kennedy-Clan in Ungnade. Jacqueline Kennedy forderte den Verlag auch auf, das ursprünglich von ihr selbst in Auftrag gegebene Buch »Der Tod des Präsidenten« nicht zu veröffentlichen. Grund: Autor William Manchester habe Unterhaltungen mit ihr verwendet, die sie als vertraulich bezeichnet habe.

Fay werfen die Kennedys vor, aus seiner Intim-Freundschaft mit dem Clan Kapital zu schlagen.

Schon 1943, kurze Zeit nach seinem ersten Zusammentreffen mit dem damaligen Navy-Leutnant Kennedy, war Fay überzeugt, daß sein Freund eines Tages amerikanischer Präsident sein werde. Fay sammelte deshalb alle Briefe, die ihm Kennedy schickte, und machte sich fortlaufend Notizen über alle Begegnungen mit ihm.

In seinem Buch zeigt der etwas naive, von der geistigen Welt Kennedys weit entfernte Fay den Präsidenten sb, wie er ihn sah: als Mensch mit menschlichen Schwächen. Unbefangen plaudert der Biograph aus, was er in der Familie Kennedy sah und hörte und was den Kennedys heute peinlich ist.

Nachdem John Kennedys Navy-Patrouillenboot 1943 von den Japanern versenkt worden war, sagte Kennedy zu seinem Freund: »Ich fühle ständig den Blick meines Vaters im Nacken.« Und dieser Vater hatte seinen Sohn für die Politik bestimmt. Anfang 1945, als Sohn Kennedy wegen einer Rückenverwundung aus der Navy ausschied, verriet er Fay: »Wenn der Krieg zu Ende ist, werde ich gemeinsam mit Daddy versuchen, ein verlorenes Schiff und einen kranken Rücken in politisches Kapital umzumünzen.«

Schon 1953 glaubte Kennedy, seine kaum begonnene Karriere sei bald zu Ende. In einem Brief teilte er seinem Freund Fay mit, daß er sich nach langen Überlegungen dazu entschlossen habe zu heiraten und deshalb wohl die Stimmen der weiblichen Wähler verlieren werde. Außerdem bat er seinen Intimus, sich bei der Hochzeitsfeier besonders um die Mutter der Braut zu kümmern, denn »sie neigt dazu zu glauben, daß ich nicht gut genug für ihre Tochter bin«.

Sechs Jahre später bewarb sich der Senator um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat seiner Partei. Als Präsident ernannte er Bruder Robert zum Justizminister. Schon vor der Nominierung witzelte der Kennedy-Clan bei einem Familientreffen in Florida über das künftige Kabinett. Schwester Eunice erhob Bruder Robert zum Justizminister, »damit er alle Leute ins Gefängnis werfen kann, die Daddy nicht mag«. »Das heißt«, so witzelte Eunice, »daß wir noch mehr Gefängnisse bauen müssen.«

John F. Kennedy diskutierte mit seiner Familie am liebsten am morgendlichen Kaffeetisch über politische Ereignisse. Manchmal erschien er lediglich in Unterhosen und mit einer Pyjama-Jacke bekleidet zum Frühstück und fragte seine Angehörigen zuweilen nach der Zeitungslektüre: »Hast du gelesen, was dieser Hurensohn ... über ... gesagt hat?«

Millionär Kennedy jr. hatte nur selten Geld in der Tasche. Als bei einem Kirchgang kollektiert wurde, flüsterte er seinem Freund Fay zu: »Schieb mir mindestens einen Zehner her. Ich will, daß

die Leute glauben, ich sei ein großzügiger Präsident.«

Beichten ging der Präsident bei Geistlichen, die ihn nicht kannten. Nachdem ihn einmal ein Pfarrer im Beichtstuhl mit »Guten Abend, Herr Präsident« begrüßte, sagte er »Guten Abend, Vater« und verließ fluchtartig die Kirche.

Autor Fay beruft sich darauf, daß er mit seinen Plaudereien, die dem Kennedy-Clan so auf die Nerven gehen, lediglich einem Befehl des verewigten Präsidenten gefolgt sei. Kennedy habe ihm 1963 gesagt: »Du hast den Präsidenten so erlebt wie kaum ein anderer Mensch. Du hast die Verpflichtung, darüber zu schreiben.«

* »The Pleasure of His Company«. Harper & Row, New York; 262 Seiten; 5,95 Dollar.

Kennedy, Freund Fay: Nicht gut genug für die Tochter

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