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Für 50 000 Mark das Schlupfloch geschlossen

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aus DER SPIEGEL 32/1984

Eine neue Sicherheitsschleuse soll verhindern, daß DDR-Bürger das Gebäude der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in Ost-Berlin als Schlupfloch zum Westen benützen. Der Zugang zur Vertretung war vor fünf Wochen geschlossen worden, nachdem 55 DDR-Bürger in dem Haus an der Hannoverschen Straße Nummer 30 Zuflucht gesucht hatten, um ihre Ausreise zu erzwingen.

Seit Dienstag letzter Woche müssen Besucher - West- wie Ostdeutsche - das Gebäude durch einen vestibülartigen Glasvorbau an der Westseite betreten. Sie gelangen in einen karg eingerichteten 25 Quadratmeter großen Warteraum mit 13 Stühlen, an den drei Sprechzimmer angrenzen.

Beamte des Hausordnungsdienstes, meist Angehörige des Bundesgrenzschutzes, weisen die Antragsteller ein. In zwei Besuchszimmern, die durch eine nur von innen zu öffnende Glastür betreten werden, können DDR-Bürger ihre Anliegen vortragen. In einem dritten Raum mit Schalterwand können ausländische Antragsteller vorsprechen.

Der von zwei West-Berliner Firmen für 50 000 Mark eingerichtete neue Besuchstrakt ist durch eine schwere Panzerglastür von den übrigen Räumen der Vertretung abgeschottet.

Anders als früher ist es den Besuchern jetzt verwehrt, einzelne Dienststellen direkt aufzusuchen. Zudem wurden die Besuchsräume offenbar absichtlich so eng gestaltet, daß sich nicht mehr Dutzende von Besuchern gleichzeitig im Haus aufhalten können.

Bedienstete der Ständigen Vertretung fürchten daher, daß bei großem Andrang Antragsteller, die in den Besucherräumen keinen Platz mehr finden, am Eingang von Volkspolizisten abgewiesen werden.

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