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DÄNEMARK / PORNOGRAPHIE Für deutsche Münzen

aus DER SPIEGEL 5/1969

Ein Schild mit der Aufschrift »Sex-Kiosken« und deutschsprachiger Reklame für Pornographie zu »billigsten Preisen« ist das erste, was Deutsche von Dänemark sehen, wenn sie bei Padborg die Grenze überschreiten.

Hinter dem Sex-Kiosk prangt der offizielle dänische Werbeslogan »Prima prima aus Dänemark«, aber der gehört zum Nachbarladen, der ebenfalls eigens für deutsche Kunden errichtet wurde. Dort verkauft Lebensmittelhändler Jensen seit Jahren Butter und Käse 25 bis 50 Prozent unter westdeutschen Preisen.

Den Buttermann nennen die Padborger schon lange »Million-Jensen«. Der Sexmann wird bald »Million-Möller« heißen, obgleich er erst seit acht Monaten an Deutsche verkauft,

Denn Hans Christian Müller, 37, verlangt für die Porno-Ware in seinen zwei Läden -- der andere liegt zehn Kilometer ostwärts am Grenzübergang Krusa -- hohe Preise: zehn Mark etwa für ein Nacktballett-Skatspiel oder für ein Heft mit 30 Koitus-Bildern.

Seine Verkäufer und Preislisten sind sprachlich auf deutsche Kundschaft, seine Nacht-Automaten auf deutsche Münzen ("2 x 5 DM") eingestellt. Das Sortiment ist groß und abartig -- für Normalverbraucher, Homosexuelle, Lesbierinnen, Drillinge und Vierlinge, mit deutschen Titeln wie »Nach dem Tanz«, »Wie Männer lieben«, »Geile Mädchen« und »Gruppensex«.

In den zahllosen Heften sind allenfalls die Akteure verschieden, ihre Akte jedoch durchweg gleich: Sex in allen Liebeslagen auf allen Liebeslagern einschließlich Kfz-Motorhaube. Das alles gibt es auch in Farbe -- als Diapositive für Heimbildwerfer und Stereoskop, außerdem auf Hunderten von Schmalfilmen zum Preis von 140 bis 200 Mark.

Für Freunde der Porno-Prosa führt Möller 20-Mark-Romane mit Titeln wie »Der liebestolle Mönch« oder »Die Hure Sarah« -- in deutsch. Zwar tragen diese Bücher den Aufdruck »Nur zum Verkauf in den skandinavischen Ländern«, aber als Reisemitbringsel dürfen sie -- ebenso wie Filme, Dias oder ähnlicher Erotik-Ersatz auch in die Bundesrepublik eingeführt werden: freilich nur ein Stück je Spezies.

Möllers Porno-Shops sind die neueste Variante des dänischen Nuditäten-Exports. In Padborg und Krusa können die Selbstabholer aus Deutschland sehen, was sie kaufen -- und das verschafft Möller einen Vorteil gegenüber seiner Kopenhagener Versandhaus-Konkurrenz.

Seit Dänemark 1967 die Zensur für beschreibende Pornographie abschaffte, wurde das kleine Königreich zum Weltlieferanten der Branche. Dänische Versandfirmen schicken zahlungskräftigen Bundesbürgern Prospekte und Bestellscheine; Namen und Anschriften erhalten sie von deutschen Adressen-Vermittlern.

Viele Empfänger beschwerten sich bei Dänemarks Botschaft in Bonn über die Lustpost oder alarmierten das Bundesfamilienministerium. Aber sehr viele, so scheint es, erfüllen die Vorauskasse-Bedingungen der dänischen Sexporteure, die angeblich bis zu 20 000 deutsche Stammkunden beliefern.

Der größte Produzent und Verkäufer »dieser Schweinerei aus Dänemark« -- so Kanadas Postminister Erle Kierans Ende Oktober im kanadischen Unterhaus -- ist Esben Jensen. 25. Sein Export-Jahresumsatz: 16 Millionen Mark.

Ehefrau Susanne, 22, mußte er kürzlich gegen Kaution aus deutscher Untersuchungshaft befreien: Sie war mit einigen Zentnern Pornographie im Reisegepäck gefaßt worden.

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