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Briefe

»Für uns sind ihr alles Schwoobe«
aus DER SPIEGEL 12/2007

»Für uns sind ihr alles Schwoobe«

Nr. 10/2007, Schweiz: Die ungeliebten Deutschen

Der Lärm gegen die deutsche Invasion lässt im Moment durchaus Wirkung spüren: Man wird hier und da plötzlich mit einem ungewohnt ungeduldigen, belästigten Ton behandelt. Andere Zuzügler aber, auch solche, die zeitweilig kollektiv als Bombenbastler beargwöhnt wurden, können uns versichern, dass so etwas vorübergeht.

FREIBURG I. BREISGAU NORBERT SCHULTE

Störfaktor Nummer eins für die Befindlichkeiten zwischen deutschsprachigen Schweizern und Deutschen scheint die impulsive Direktheit der Deutschen zu sein. Dazu kommt die Irritation durch knapp und deutlich auf Hochdeutsch formulierte Aussagen, wo Schweizer im Ungefähren und Unverbindlichen bleiben. Wer aber den unvoreingenommenen Kontakt sucht und sich gelegentlich ein wenig zurücknimmt, wird akzeptiert und kann hier angenehm leben.

NEUCHâTEL (SCHWEIZ) JOACHIM DRIEFMEIER

Manche Schweizer sind halt introvertierte Eigenbrötler, die etwas länger brauchen, um sich an neue Entwicklungen zu gewöhnen.

LAX (SCHWEIZ) URS IMBODEN

Aufgewachsen an der Grenze zur Schweiz bei Lörrach, spreche ich Alemannisch, das für einen Nichtschweizer wohl kaum vom Schwyzerdütsch zu unterscheiden ist. Trotzdem habe ich auch schon allzu oft das Wort »Sauschwoob« zu hören bekommen. Wenn man dann versucht zu unterbreiten, dass es eine große Beleidigung für einen Badener sei, als Schwabe betitelt zu werden, hört man nur »für uns sind ihr alles Schwoobe«. Sprich, egal, ob man aus Hamburg, Bayern oder Berlin stammt.

GRENZACH-WYHLEN (BAD-WÜRTT.) CARSTEN BECK

Wer mit dem Gedanken spielt, in der Schweiz einer qualifizierten akademischen Tätigkeit nachzugehen, sollte den beeindruckenden Bericht einer der Betroffenen lesen: Ellen Stubbe, »'Gastland' Schweiz. Rechtsbrüche und Willkür statt Freizügigkeit«. Nachdem die deutsche Theologieprofessorin in Zürich sich einer Krebsoperation unterziehen musste, begannen führende Kräfte der Universität ohne Verzug, die schwerkranke Frau mit sogenannten Verfahren zu attackieren. Zeit zur Genesung ließ man ihr nicht, vielmehr nutzten sie skrupellos die Gelegenheit während Chemotherapie und Rekonvaleszenz aus, um einem soeben habilitierten Schweizer Nachwuchswissenschaftler umgehend zu einem Lehrstuhl zu verhelfen.

HAMBURG DIETER FALTINSKI

Vor 40 Jahren habe ich in der Schweiz zwei Jahre als Ingenieur gearbeitet. Schon damals sind sie mir auf die Nerven gegangen: mit ihrer Kleingeisterei, ihrem Provinzialismus, der Spießerei. Nie mehr wieder! Auch für noch so viel Geld.

KLAGENFURT (ÖSTERREICH) HORST ISCHEP

Die oftmals vorlaute und aggressive Art und Verhaltensweise der Deutschen empfinden wir, die charakterlich eher ausgleichenden und konsensbedachten Schweizer, nun mal rasch als arrogant und unangebracht.

DÜSSELDORF MARC ISELI

Es ist die Art der Arroganz, wie sie aus diesem Artikel spricht, die letztlich das Bild der Deutschen in der Schweiz mitbestimmt. Ich erlebe den durchschnittlichen deutschen Mitmenschen eher anbiedernd mit diesem peinlichen Versuch, einige Brocken Schweizerdeutsch zu sprechen, um seine vordergründige Zugehörigkeit zu demonstrieren. Was deutsche Einwanderer in der Schweiz suchen, ist wohl nichts anderes als Zuzügler aus anderen Ländern: ein besseres Leben.

REINACH (SCHWEIZ) WALTER HALLER

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