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Nuklearhandel FUND 13: ALARMSTUFE ROT

Wissenschaftler sind entsetzt: Zum erstenmal ist bombenfähiges Plutonium, das aus einer russischen Waffenfabrik stammt, auf dem Schwarzmarkt aufgetaucht. Kanzler Helmut Kohl ist besorgt über den Fund in Süddeutschland. Ermittler warnen: »Die Gefahr, daß der Staat erpreßt wird, steigt.«
aus DER SPIEGEL 29/1994

Der Behälter aus Blei wog nur viereinhalb Kilogramm und fiel auch sonst kaum ins Gewicht. Ein Zylinder von elf Zentimeter Höhe und sieben Zentimeter Durchmesser, verschlossen mit einem Stahlband. Kryptisch war auch die Aufschrift: K T 1-20, 009001, 1980.

Polizisten hatten ihn im Badischen in einer Garage beim Geschäftsmann Adolf Jäkle, 52, eher zufällig entdeckt - zwischen Schläuchen, altem Plunder und Bastelkram. Da aber heutzutage niemand mehr überrascht ist, wenn in einem Bauerndorf wie Tengen-Wiechs Atomtrödel auftaucht, prüfte die Feuerwehr aus dem benachbarten Singen den Fund auf radioaktive Strahlung. Ergebnis: negativ.

Die zuständige Landesanstalt für Umweltschutz (LFU) in Karlsruhe versprach die »baldmöglichste Abholung des Objekts angelegentlich eines anderen Dienstgeschäfts in der Nähe von Singen«. 14 Tage später paßte es.

Unaufgeregt guckte sich Benno Funsch von der LFU zunächst den Behälter von allen Seiten an und zog ein braunes Plastikfläschchen heraus. Später gab es ein paar Auffälligkeiten, auf die er sich keinen Reim machen konnte. »Vermute kontaminiertes Sandstrahlmaterial«, notierte Funsch. Um 20 Uhr wurde die Untersuchung abgebrochen.

Anderntags, in aller Frühe, öffnete er vorsichtig das Fläschchen im Isotopenlabor. Erster Befund: »Keine Klärung trotz großer Bemühungen.« Dann: »Pulver, sehr fein, dispers, von etwa dunkelbrauner Farbe mit einem sehr schwachen Grünstich . . . Sehr hohe spezifische Gamma-Aktivität, wahrscheinlich eine Plutoniumverbindung vor allem des Plutoniumisotops 239.« In seinem Bericht steht: »Hierauf wurden sämtliche Messungen abgebrochen.«

Landesministerien wurden eingeschaltet, die Regierenden in Bonn informiert, Interpol auch. Schon vier Tage später legte das Europäische Institut für Transurane in Karlsruhe eine erste Blitz-Analyse von »Fund 13« vor: Es handelte sich um Plutonium 239 mit einem Anreicherungsgrad von 99,7 Prozent - bester Stoff für die Bombe.

Weltweit ist mit Fund 13 erstmals waffenfähiges Material auf dem Schwarzmarkt aufgetaucht - Alarmstufe rot.

Die amerikanische Bundespolizei FBI läßt sich über die Entwicklung des Falles regelmäßig unterrichten. Schweizer Ämter sind eingeschaltet. Ein Großaufgebot deutscher Sicherheitsbehörden ist aktiv: Landeskriminalämter (LKA), das Bundeskriminalamt (BKA), und selbstverständlich ermittelt auch der Bundesnachrichtendienst (BND). Koordiniert wird die Aktion von einem jungen Staatsanwalt, Götz Walter, 38, aus Konstanz.

Aufwendige Analysen des Stoffes lassen keinen Zweifel, daß das Teufelszeug aus einer russischen Atombombenfabrik stammt.

Die Spezialisten der Euratom versuchen, die Herkunft des Stoffes zu enträtseln. Am wahrscheinlichsten ist, daß das tödliche Pulver aus einer Gaszentrifugen-Anlage stammt. Das ist im zerborstenen Sowjetreich immer noch die geläufigste Methode zur Herstellung des spaltbaren Materials.

Der Tatort in dem Atom-Krimi steht noch nicht genau fest. Drei Nuklearkomplexe kommen in Frage: *___das Chemiekombinat Majak, auch als Tscheljabinsk-65 ____bekannt, in Oscharsk, *___das sibirische Chemiekombinat in Sewersk, auch Tomsk-7 ____genannt, *___und das Kombinat für Bergbau und Chemie in ____Schelenogorsk, Experten unter seiner alten Bezeichnung ____Krasnojarsk-26 geläufig.

Fest steht: Die angeblich so sicheren Kontrollen in den russischen Atomwaffenfabriken waren nicht sicher genug.

Der Stoff aus der Garage in Tengen-Wiechs scheint den Experten zwar, wegen der geringen Menge, allein nicht sonderlich bedrohlich: Sechs Gramm reichen bei weitem nicht für eine Bombe (siehe Kasten Seite 21). Aber die Fahnder vermuten, daß ihnen nur zufällig eine Probe vor die Füße fiel. In den dicken Ermittlungsakten ist von 150 Kilogramm bombenfähigem Plutonium die Rede, die irgendwo versteckt sein können. Mag sein, mag nicht sein.

Aber nichts kann mehr ausgeschlossen werden. In den GUS-Staaten lagert eine Halde mit 150 Tonnen dieses Bombenstoffs.

Bonns Politiker sind besorgt. So soll Helmut Kohl dem russischen Präsidenten Boris Jelzin das Plutonium-Gutachten über den Fund im Badischen auf dem G7-Gipfel in Neapel vorgelegt haben. Kohls Staatsminister Bernd Schmidbauer sprach Ende voriger Woche von Sicherheitsdefiziten, die »Anlaß zu höchster Sorge« seien.

Auch Fachleute wie Wilhelm Gmelin, Direktor der Euratom, _(* Jäkles Garage. ) sind »sehr überrascht, daß es derart reines Waffenplutonium« auf dem Markt gibt. Gmelin: »Sehr, sehr bedenklich.« Er und seine Kollegen seien »in größter Aufregung. Hier ist eine Grenze überschritten worden, die nie hätte überschritten werden dürfen«.

Harald Müller von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung hat »seit über einem Jahr auf so was gewartet, und trotzdem ist es ein Schock. Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet«. Wer »sechs Gramm besorgen kann, kommt auch an mehr«.

Und Kriminaldirektor Peter Krömer vom BKA, ein besonnener Mann und kein Apokalyptiker, sagt, daß »jetzt die Lage völlig neu beurteilt werden muß«. Vorher hat er in seinem Amt bei Gefahrenanalysen zur Mäßigung geraten.

Richtig ist: Krisenszenarien gab es in den vergangenen Jahren reichlich. Aber unter den 241 Alarmmeldungen über Nuklearschiebereien aus dem vergangenen Jahr in Deutschland war kaum ein besonderes Vorkommnis, schon gar kein Alarmfall. Zumeist handelte es sich bei dem vagabundierenden Strahlenmaterial, das Ermittler sicherstellten, um atomaren Sperrmüll für einen bizarren Flohmarkt.

Doch nun erscheint mancher liebevoll gepflegte Alptraum von vorgestern angesichts der tatsächlichen Bedrohung wie eine leichte Schlafstörung. Den Experten dämmert seit dem Fund von Tengen-Wiechs, daß auch schlimmste Befürchtungen wahr werden können.

Wenn solche Spezialitäten nicht nur bei Diktatoren landeten, sondern auch in die Hände von Terroristen oder Verbrechersyndikaten fielen, bekäme das Wort Erpressung eine andere, eine totale Bedeutung. Krömer: »Die Gefahr, daß der Staat erpreßt wird, steigt.«

Mythen ranken sich um die Hintermänner des gefährlichen Geschäfts. Immer und sofort ist von der »Atom-Mafia« (Bild, taz, FAZ) die Rede. Aber wenn alles Mafia ist, ist nichts mehr Mafia. Drahtzieher beim Handel mit den strahlenden Stoffen sind schwer auszumachen, auch kein Doktor Mabuse, kein Dr. Seltsam ist zu orten.

Allerdings weisen, so der BND in einem Geheimbericht für das Bundeskanzleramt Anfang des Jahres, »die Aktionen immer öfter einen Organisationsgrad auf, der auf größere Banden schließen läßt. Zusammenhänge zwischen den Banden sind nicht bekannt«. Der BND: _____« Glaubhafte nachrichtendienstliche Hinweise, daß » _____« einzelne hochrangige Personen aus Ministerien, » _____« Botschaften, Industrieunternehmen und Forschungsanlagen » _____« eingeschaltet sind, liegen vor. Es fehlen jedoch Beweise, » _____« daß dabei über Einzeltäter hinaus staatliche Stellen » _____« kriminelle Ziele verfolgen. »

Banden im Osten - Hasardeure, Gauner aus der Provinz, Gaukler und arme Irre im _(* Oben: 1992 durch die Berliner Polizei; ) _(unten: am 10. Mai 1993 von der ) _(Frankfurter Feuerwehr entdeckt. ) Westen. Alle wollen sie irgendwie irgend jemandem irgend etwas Strahlendes verkaufen - natürlich zu Höchstpreisen. Eine eigene Fachsprache haben sie auch schon. Im Nuklear-Rotwelsch heißt Uran »U-Bahn« und Plutonium ist »Hund«, vielleicht wegen des treuen Pluto von Mickymaus.

In dieses Panoptikum paßt die Hauptfigur des Schieberstücks, Adolf Jäkle. Ein Mann von mittelgroßer Statur, unauffällig, mit beginnender Glatze und starkem Freiburger Dialekt. Kein ausgesprochener Erfolgstyp. Zurückgezogen lebte der Mann, für dessen Connections sich jetzt Dienste rund um den Globus interessieren, in Tengen-Wiechs, einem Bauerndorf, wie es sie zu Dutzenden in der hügeligen Wald- und Wiesenlandschaft in Südbaden gibt: 400 Einwohner, hübsche Bauernhäuser, eine Kirche und die lange Hauptstraße mittendurch.

Am Ende, in einem ockerfarbenen Block aus den fünfziger Jahren, wohnte Geschäftsmann Jäkle mit seiner Frau. Drei vollgestopfte Zimmer, in der Küche das Kruzifix, neben dem Fernseher ein Vorderlader, und die Bilder der Enkel an der Wand. Das Büro von Opa Jäkle diente Großmutter Helga auch als Bügelzimmer.

Eine kleine Welt, aber man darf doch mal träumen. Über das Fax auf dem Couchtisch kam die große Welt ins Haus. Der gelernte Kfz-Meister versuchte sich, seit er 1983 die Werkstatt aufgegeben hatte, in vielerlei Geschäften: Schuhe aus Italien, Marlboro containerweise, eine Bremsscheibenfabrik für das Landvolk in Ungarn, Pommesfrites-Maschinen für die Hauptstadt Budapest.

So richtig lief wohl nichts, aber Jäkle hatte dennoch ausgefallene Geschäftsideen. In einer Art Tagebuch hielt er geplante oder phantasievoll ausgesponnene Lieferungen für Bürgerkriegsarmeen auf dem Balkan fest: »2000 Ak 47, 1000 + 1000 Schuß, 120 Millimeter Abwehrraketen RPG 7, 300 Stück, Preis + Enduser Bosnien & Croatien« - was man für den Landkrieg so braucht.

Stolz berichtete er Partnern von Kontakten mit dem französischen Geheimdienst und von seinen Verbindungen zu russischen Forschern. Mehrfach hatte der Geschäftemacher in den vergangenen Jahren verschiedene GUS-Staaten besucht. Mal ging es um eine Anlage zur Behandlung leukämiekranker Kinder, mal um Bauprojekte oder den Ankauf seltener Metalle.

Seinen Geschäftspartnern konnte Jäkle mühelos die internationalen Preise für Red Mercury herunterbeten, den ominösen Quecksilberstoff, der Schieber aller Couleur fasziniert. Auch in einer der nur mit Codenamen bezeichneten Militärstädte, früher für Ausländer verboten, wurde er angeblich gesichtet. Aber nicht immer soll er bei den Vorträgen durchgeblickt haben.

Der bodenständige Jäkle spielte verdammt hoch. Am 10. Mai wurde er auf dem Stuttgarter Flughafen verhaftet - angeblich wollte er mit Blüten die schnelle Mark machen. Falsche Dollarnoten im Wert von einer Million Mark soll er in Marseille übernommen und in Dijon für 250 000 Mark verkauft haben. Und, wie häufig bei solchen Gelegenheiten, war ein V-Mann vom LKA in München mit von der Partie, Alias-Name »Rikker«.

Natürlich ist Jäkle unschuldig wie ein Laubsägenbastler. Er versteht die Welt nicht mehr. Das Geld war natürlich nicht faul, sondern echt, sagte er aus, und die Stasi habe ihm übel mitgespielt. Außerdem habe er 500 Kilo Gold (Wert knapp zehn Millionen Mark) Monat für Monat aus Südafrika und Rußland importieren wollen - drunter tut es einer aus Tengen-Wiechs nicht.

Solche fabelhaften Geschichten hören Staatsanwälte seit der Wende immer wieder, und die Ermittler bleiben gewöhnlich ganz gelassen. Wenn da jetzt nicht die Sache mit dem Plutonium in der Fertigbaugarage des Adolf Jäkle wäre.

Bei einer Hausdurchsuchung wegen der Falsifikate haben Fahnder das Zeug zufällig mitgenommen. Was den Ermittlern nun aber den Nerv raubt: Händler Jäkle kommt bei der Frage nach der Herkunft des spaltbaren Materials wie beim Falschgeld ins Fabulieren, und diesmal geht es wirklich um was.

Angeblich hat er das Zeug vor gut einem Jahr von einem Schweizer Kaufmann zur Kommission bekommen. Treffort Zürich. Ein mittelgroßer, mittelalter Typ wie Jäkle, aber mit Vollglatze und buntfarbiger »Papageienkleidung«. Wohnsitz des Lieferanten sei Rapperswil. Ein Ausländer habe ihn begleitet, 35 Jahre alt, groß, schwarzes Lockenhaar, gepflegte Erscheinung, keine Brille, kein Bart.

Staatsanwalt Walter aus Konstanz hat den Schweizer Kaufmann aufgetrieben, aber die Gegenüberstellung war enttäuschend. Beide kannten sich zwar, doch der Mann mit der bunten Kleidung bestritt lebhaft, jemals Jäkle einen solchen Bleibehälter ausgehändigt zu haben. Zum letzten Mal habe er Jäkle vor Jahren getroffen.

Die Ermittler stießen bei ihren Recherchen auf andere Firmen in der Schweiz, vor allem in Schaffhausen und Umgebung, aber die Spuren verloren sich im Irgendwo. Auf dem Briefkasten eines verdächtigen Unternehmens hatten noch drei weitere Firmen ihre Adressen vermerkt - Marktwirtschaft zwischen Schein und Sein.

Auch in Moskau versickern die Hinweise. Der Verbindungsmann des BKA suchte mit Hilfe des Konsulats nach Jäkles Spuren, vor Ort führt der BND die Feder. Die Geheimdienstler sollen herausfinden, wo das Zeug herkommt.

Die Situation ist leicht gespannt. In Übersetzung liegt den Russen der Geheimbericht des BND vor. Danach stammt »das sogenannte vagabundierende Nuklearmaterial im wesentlichen aus dem Gebiet des ehemaligen Sowjetblocks«. Im »Vergleich zu westlichen Verhältnissen«, steht in der BND-Analyse, seien »dort nur ungenügende Sicherheitsvorkehrungen gegen Entwendung von Nuklearmaterial aus zivilen Einrichtungen getroffen«. Das Papier: _____« Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland ist » _____« durch die Möglichkeit der Entwendung von » _____« Kernsprengkörpern bzw. waffengrädigem Spaltmaterial oder » _____« der Verbreitung von technischem Wissen für die » _____« Kernsprengkörperentwicklung gleich mehrfach bedroht. Es » _____« wäre die Möglichkeit eröffnet, daß » _____« - Kernsprengkörper in kriminelle Hände gelangen können, » _____« nach Deutschland gebracht und/oder gegen Deutschland » _____« verwendet werden » _____« - mit waffengrädigem Spaltmaterial nukleare Sprengkörper » _____« hergestellt werden » _(* Auf dem Testgelände von Semipalatinsk. ) _____« - das Auftreten von Nuklearwaffen in Konfliktzonen » _____« gefördert wird. »

Das stimmt zwar, klingt in den Ohren russischer Politiker aber unfein. Wilde Geschichten über Nuklear-Schmuggel in Rußland, erklärt Geheimdienstchef Sergej Stepaschin die Moskauer Sorgen, könnten von der Opposition als Versuch der Amerikaner interpretiert werden, die russischen »Atomeinrichtungen zu kontrollieren«.

Georgij Kaurow, leitender Mitarbeiter des Moskauer Atomministeriums, versuchte denn auch gegenüber dem SPIEGEL, den ersten wichtigen Plutonium-Fund herunterzuspielen. Seine Behörde, sagte Kaurow, habe keinerlei Informationen über solche Vorfälle, und sechs Gramm seien doch wirklich ein Pappenstiel. Das reiche höchstens zur Verstrahlung eines ungeliebten Nachbarn.

So harmlos ist das Zeug jedoch nicht. In einer Analyse des Europäischen Instituts für Transurane vom 17. Juni gibt »Fund 13« ein paar neue Rätsel auf. Der Inhalt des Fläschchens wog exakt 63 Gramm. Das Pulver ließ sich, so Euratom, »in eine inaktive Komponente, im folgenden Red Mercury, und einen Plutoniumanteil aufspalten« - sechs gefährliche Gramm des spaltbaren Materials.

Red Mercury ist ein vermeintliches Zaubermittel, das angeblich ebenso zur Leistungssteigerung von Raketen wie zum Bau von Mini-Atombomben taugen soll. Nachdem die Fachwelt überwiegend den Stoff als »Killefit« abgetan hatte (SPIEGEL 6/1994), variiert Euratom die Bedeutung des Stoffes. Möglicherweise sei das Mittel mit der chemischen Formel Sb207 Hg2 zur »Tarnung von verdecktem Export radioaktiven Materials« eingesetzt worden. Das sei bei Fund 13 »die einzig plausible Erklärung für die vorliegende Mischung«.

Da schaut nicht nur der Staatsanwalt kaum noch durch. 3500 Datensätze aus Jäkles Bestand läßt Walter derzeit im Stuttgarter LKA miteinander verknüpfen. Alle Kalenderdaten, Visitenkarten, Telefonnummern und auch die Notizzettel aus den beschlagnahmten Hängemappen »Gold«, »GUS«, »Budapest«. Das daraus entstehende Szenario soll Aufschluß geben über Jäkles Umfeld und seine Verbindungen zu Nuklear-Schiebern.

Das klingt zunächst nicht sehr vielversprechend, und Jäkle hält sich weiterhin ziemlich zurück. Wenn ihn seine Frau nicht in der Untersuchungshaft zu München-Erding besuchen darf, droht er mit Abbruch aller Gespräche. »Mein Mann ist zu gutherzig«, sagt Helga Jäkle.

Der Gute »scheißt offenbar auf diesen Staat«, grollt ein Ermittler: »Warum sagt er uns nicht alles, was er weiß?«

Fund 13 ist wirklich kein leichter Fall. Die Staatsanwaltschaft hatte die fulminante Idee, Jäkle auf radioaktive Strahlung untersuchen zu lassen. Die Kosten sollte die Behörde in Konstanz tragen.

Enttäuscht mußte ein Mitarbeiter des Kernforschungszentrums Karlsruhe dem Staatsanwalt Walter einen Fehlschlag melden. Untersuchungshäftling Jäkle habe sich »geweigert, Urin- und Stuhlproben abzugeben«. Y

Ein ominöser Stoff, der Schieber aller Couleur fasziniert

»Warum sagt er uns nicht alles, was er weiß?«

* Jäkles Garage.* Oben: 1992 durch die Berliner Polizei; unten: am 10. Mai 1993 vonder Frankfurter Feuerwehr entdeckt.* Auf dem Testgelände von Semipalatinsk.

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