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WEIHNACHTSBRATEN Gans schön elend

aus DER SPIEGEL 52/2002

Rechtzeitig zum Fest prangern Tierschützer »furchtbare Zustände« in deutschen Zuchtbetrieben für Weihnachtsgänse an. Bei verdeckten Kontrollen in einer der größten deutschen Gänsemastanlagen bei Heidelberg fanden Aktivisten der Tierrechtsorganisation Peta »tote Gänse, aus denen die Maden krochen, zwischen lebendigen«. Gemästetes Federvieh, dessen Beine gebrochen seien, weil sie das Fleischgewicht nicht mehr tragen konnten, sei verdurstet oder verhungert. »Die Kadavertonnen waren randvoll mit verwesten Tieren«, so Peta-Sprecher Jürgen Faulmann. Der fragliche Betrieb wirbt gleichwohl mit »artgerechter Tierhaltung« und »Freilandhaltung« seiner Vögel. Für das Deutsche Tierhilfswerk ist das kein Einzelfall: »Eine artgerechte Haltung von Gänsen ist bei uns die Ausnahme«, sagt Tierhilfswerk-Aktivistin Judith Schmalzl.

Von den sechs Millionen Gänsen, die jährlich in Deutschland verspeist werden, stammen rund 700 000 aus heimischer Produktion. Anders als etwa für Hühner gelten für die Aufzucht von Gänsen jedoch keine verbindlichen Vorschriften - was Verbraucher, die sich im Vertrauen auf strengere Tierschutzbestimmungen gegen ein billiges Importtier und für eine Weihnachtsgans aus deutschen Landen entscheiden, zumeist nicht ahnen. Wolfgang Apel, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, empfiehlt deshalb für das Festmahl am Heiligabend »exotische Leckereien aus der vegetarischen Küche«.

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