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Briefe

Gebirge von Mythen
aus DER SPIEGEL 31/1994

Gebirge von Mythen

(Nr. 29/1994, Rumänien: Der Schriftsteller Richard Wagner über das Modell des postkommunistischen Präsidenten Iliescu)

Richard Wagner erweist sich erneut als engagierter, mutiger und ehrlicher Analytiker der Situation seines Heimatlandes Rumänien. Es mag sein, daß der Reichtum Rumäniens, der noch Anfang dieses Jahrhunderts viele Deutsche zur Auswanderung nach Siebenbürgen und Banat trieb, heute lediglich einen potentiellen Wert besitzt und dadurch ein Mythos bleiben muß. Daß es gegenwärtig in Rumänien keine Alternative zu den Altkommunisten gibt, hängt aber auch mit dem bald 30 bis 40 Jahre währenden Exodus von Akademikern und Intellektuellen wie Herta Müller, William Totok und Richard Wagner zusammen. *UNTERSCHRIFT: Schriesheim (Bad.-Württ.) DR. MED. SERBAN D. COSTA

Der Bericht von Richard Wagner ist treffend und hat den richtigen Durchblick. Aber er ist mir zu amüsant geschrieben. Wenn man in diesen Gebirgen von Mythen lebt (ich ging in dieses Land, als andere in Scharen wegliefen), dann ist das alles gar nicht mehr leichtwitzig. In unserem Haus für Straßenkinder leben 107 Opfer der Neokommunisten. 700 mußte ich wegen Platzmangels in zweieinhalb Jahren abweisen. Auch das ist nicht komisch. Solange die hohen Herren aus Bonn sich in Bukarest die Klinke in die Hand geben und der deutsche Botschafter dort die verdorbenen Kommunisten hofiert, werden wir weiter mit den Unterdrückten leiden und weinen. *UNTERSCHRIFT: Cincu (Rumänien) PATER DON DEMIDOFF

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