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TÜRKEI Gefährdeter Nachschub

aus DER SPIEGEL 12/2007

Ein Streit um die Massenmorde an Armeniern im Osmanischen Reich wird zur Belastungsprobe für das ohnehin kriselnde türkisch-amerikanische Verhältnis. Für den Fall, dass der US-Kongress einen Resolutionsentwurf billigt, der die Massaker von 1915 als Genozid brandmarkt, droht die Türkei dem Nato-Partner mit harten Folgen, womöglich auch für die militärische Zusammenarbeit. »Die Auswirkungen eines solchen Schritts werden über das Vorstellbare hinausgehen und langfristig spürbar sein«, warnte das Außenministerium in Ankara vergangene Woche. Der Vorsitzende des außenpolitischen Ausschusses, Mehmet Dülger von der Regierungspartei AKP, hält es sogar für möglich, den Zugang der Amerikaner zur Luftwaffenbasis Incirlik zu begrenzen. Derzeit nutzen vor allem die USA die Basis in der Südtürkei, auch zur Versorgung ihrer Truppen im Irak sowie in Afghanistan. Die Krise zwischen den strategischen Partnern hatte sich 2003 an der Weigerung Ankaras entzündet, US-Truppen über die Türkei in den Irak einmarschieren zu lassen.

Die US-Regierung will die Kongress-Resolution verhindern: In einem Brief warnten Außenministerin Condoleezza Rice und Verteidigungsminister Robert Gates führende Parlamentarier vor Schaden für die Interessen der USA. Im Februar hatten der türkische Außenminister Abdullah Gül und Generalstabschef Yasar Büyükanit in Washington Druck gemacht - Ankara sieht die Massaker als tragische Gewalttaten im Kontext des Ersten Weltkriegs, aber nicht als Völkermord. Nancy Pelosi, die demokratische Chefin des Repräsentantenhauses, machte aus ihrer Haltung keinen Hehl: Sie empfing Außenminister Gül erst gar nicht.

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