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CHINA Gefährlicher Plan

aus DER SPIEGEL 49/2002

Ein in der vorigen Woche beschlossenes Mammutprojekt der chinesischen Regierung belastet das Land mit riesigen ökologischen und sozialen Problemen: Von 2050 an sollen jährlich insgesamt 48,2 Milliarden Kubikmeter Wasser vor allem aus dem Fluss Jangtse über drei Routen in den trockenen Norden gepumpt werden. Kosten des Vorhabens: rund 60 Milliarden Euro. Größtes Hindernis für die östliche Route, die bereits in drei Jahren fertig gestellt sein soll: Der Unterlauf des Jangtse, seine Nebenflüsse und mehrere Seen sind stark verschmutzt, das Wasser kann ohne aufwendige Reinigung nicht genutzt werden. Auf der mittleren Strecke, die Peking versorgen soll, muss zunächst der Stausee Danjiangkou in der Provinz Hubei vergrößert werden. In dessen Fluten werden dann die Häuser von mindestens 250 000 Menschen versinken. Die westliche Route, auf der Jangtse und Gelber Fluss durch ein kompliziertes System von Kanälen und Tunneln verbunden werden sollen, halten etliche Fachleute für zu gefährlich, weil die Region häufig von Erdbeben heimgesucht wird. Besorgte Lokalpolitiker fordern daher, dem Nationalen Volkskongress müsse das Recht eingeräumt werden, solche Riesenprojekte mit entscheiden zu können. Peking allerdings will hart bleiben: Im Norden, so die Begründung, leiden 400 von 600 Städten an Wassermangel. Dadurch entstehe pro Jahr ein Schaden von 14,6 Milliarden Euro. Die von Umweltschützern geforderte Reduzierung des Wasserverbrauchs könne den Fehlbedarf nicht ausgleichen, hieß es im Wasserministerium.

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