Zur Ausgabe
Artikel 58 / 116
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

MAROKKO Gefährlicher Zauber

aus DER SPIEGEL 36/2007

Der Parlamentswahl am kommenden Freitag messen die Marokkaner große Bedeutung zu und erwarten, das Ergebnis werde diesmal »glaubwürdiger« ausfallen als vor fünf Jahren. Das Innenministerium versucht offenbar, Betrug und Stimmenkauf einzudämmen. Bei Umfragen sagten drei Viertel der jungen Männer und Frauen zwischen 18 und 24, sie wollten zur Wahl gehen. Davon könnten vor allem die Religiösen profitieren. Deshalb hofft die gemäßigt-islamistische »Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung« (PJD), die sich an der türkischen AKP orientiert, zur stärksten Kraft unter den 33 Parteien aufzusteigen. PJD-Chef Saad Eddine al-Othmani, ein Psychiater, hat besonders viele junge und weibliche Fromme aufgestellt; er tritt für soziale Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Aufschwung ein. Das zieht die jungen Leute an, von denen mancherorts die Hälfte arbeitslos ist. Um den Siegeszug zu bremsen, ließ das Innenministerium zwei weitere religiös geprägte Parteien zu. König Mohammed VI., der laut Verfassung den Regierungschef und die wichtigsten Minister ernennt, wäre wohl geneigt, die Islamisten in die Regierung aufzunehmen. Der Monarch setzt darauf, dass sich der gefährliche Zauber der Islamisten in der Verantwortung für das Land mindern wird.

Zur Ausgabe
Artikel 58 / 116
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.