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Briefe

Gefährliches Faktum
aus DER SPIEGEL 43/1997

Gefährliches Faktum

Nr. 41/1997, Debatte: Gabor Steingart über die Renaissance der Kapitalismuskritik

Ein Teil Ihrer Analyse zum Thema »Globalisierung« ist sicher zutreffend. Aber die Aussage »Deshalb gehört auch der Konsument zu den Profiteuren der Globalisierung« spottet jeder Beschreibung Hohn für die Mehrheit unseres Volkes. Ebenso das Fazit »Wo der Turbo-Kapitalismus schicksalhaft gedeutet wird, bleibt als Antwort nur Resignation - oder Gewalt«. Das ist in meinen Augen lachhaft. Ich meine, und davon ist in Gabor Steingarts Artikel nichts ausgesagt: Weltweite spekulative Gewinne und ihre zerstörerische Macht auf Beschäftigungsverhältnisse und Natur sind das gefährlichste Faktum der Globalisierung. Schlimm ist, daß die Profitraten von Großkonzernen in der politischen Auseinandersetzung wichtiger geworden sind als die Grundbedürfnisse der Bevölkerung.

NEUKIRCHEN-VLUYN (NRDRH.-WESTF.) PASTOR DR. HARTMUT BENNER

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Sie, werter Gabor Steingart, empfehlen uns also für die Zukunft die hochgepriesene Dienstleistungsgesellschaft. Ich bezeichne sie aber lieber als Dienstbotengesellschaft, denn darauf läuft Ihre Zukunftsvision hinaus. Ein Drittel der Gesellschaft wird großzügig mit Gehalt und Dividenden ausgestattet, damit sich die anderen zwei Drittel als Knechte und Mägde in den von Ihnen empfohlenen Zukunftsberufen, als Gärtner, Putzfrau und Pflegekraft, zu Hungerlöhnen bei den Privilegierten verdingen können.

MÜNCHEN JOSEF BINSER

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Steingart mag recht haben, wenn er Viviane Forrester vorwirft, mit veralteten Begriffen ("Profit«, »Ausbeutung«, »Proletariat") zu operieren. Aber es geht um mehr als Begriffe. Es geht um die wohl dramatischste Entwicklung seit langem, um das Verschwinden der menschlichen Arbeit.

BONN O. MAIER

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Blind in seinem offenkundigen Bestreben, seinen Teil zur Rettung (zumindest des Ansehens) des Kapitalismus beizutragen, fällt es Steingart schwer, Neues aufzunehmen. Andernfalls hätte ihm nämlich auffallen müssen, daß seine vielen kleinen Tips zur Behebung der Globalisierungskrise nichts anderes sind als die von Frau Forrester angeprangerten Flickschustereien. Ihr wirft er Konzeptlosigkeit vor und bemerkt nicht einmal, daß es zunächst einmal um kritische Bestandsaufnahme geht. Frau Forresters Buch wird Bestand haben, gerade weil sie auf vorschnelle Antworten verzichtet.

HAMBURG DR. LOTHAR ZIESKE

kleinau
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