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Artikel 67 / 76

Briefe

Gefahr oder Alternative?
aus DER SPIEGEL 6/1977

Gefahr oder Alternative?

(Nr. 1-2/1976, SPIEGEL-Titel »Streit um die Energielücke")

Die jetzt von der Bundesregierung und der sogenannten Opposition bekundete »Bereitschaft zur Diskussion mit dem Bürger« erscheint als bloße Werbekampagne, wenn man die alternativlosen Atompläne und die massiven staatlichen Forschungshilfen für die Atomenergie bedenkt. Letztere sind zigfach höher als die Summen für die Erforschung der sauberen Energiequellen. Dabei dürften gerade die letzteren Entwicklungen auf lange Sicht ausgezeichnete Exportartikel sein.

Braunschweig DR. RICHARD GOEDEKE

Daß die Industrie-Strategen mit allen Mitteln die Ausbreitung einer gemeingefährlichen Technologie vorantreiben, die ihnen selbst auf lange Zeit Macht, Einfluß und Profite sichert, liegt in der Natur solcher Unternehmen. Daß aber die Politiker -- Politiker aller Parteien! -- sich blindlings vor den Karren dieser Technokraten spannen lassen, mit ihrem Geld deren Forschung bezahlten, mit ihren Ämtern deren Ansiedelung erzwangen und mit ihren Polizisten noch die Bauplätze freiprügeln ließen, hat breiten Volksmassen die Willfährigkeit unserer Politiker gegenüber jenen menschenfreundlichen Unternehmen vor Augen geführt.

Hamburg JOACHIM KAISER

Schriftsteller

Die endgültige Zukunft der Atomenergie ist sicher noch nicht entschieden. Bitte denken Sie daran, daß es zum Beispiel dem Diesel-Motor zu Lebzeiten des Herrn Diesel ähnlich gegangen ist. Es ist aber richtig, daß bei uns viel zu wenig in der Breite geforscht wird. So besteht die Möglichkeit, die bei der Druckminderung verlorengegangene Energie zum Teil wiederzugewinnen. Das kann etwa bei Erdgasleitungssystemen angewendet werden.

Stuttgart JOACHIM WENZEL

Patentanwalt

Ich freue mich, daß Sie das NOAH-Windkraftwerk auf Sylt abgebildet haben. Im Jahre 1976 habe ich einen weiteren Windrotor in Fuhlenhagen (Schleswig-Holstein) aufgestellt, der eine entscheidende Weiterentwicklung darstellt. In der Zwischenzeit habe ich mich vergebens um eine öffentliche Förderung bemüht. Wenn ich einen Käufer gefunden hatte, wurde die Baugenehmigung verweigert. Ich glaube nicht daran, daß es dunkle Industriemächte gibt, welche Neuerungen bekämpfen (von dieser Seite, insbesondere der geschmähten Ölindustrie, habe ich Geld erhalten). Es hat hier eher den Anschein, daß die Hemmnisse von den verschiedenen Stellen der Staatsverwaltung ausgehen, aus welchen Gründen auch immer.

Bonn WALTER SCHÖNBALL

Regierungsdirektor

Warum befaßt man sieh kaum mit der Nutzung der Brandungsenergien? Mit walzenförmigen Turbinen ließe sich an geeigneten Küsten die Kraft der Brandungs-Wellenberge in Rotation umwandeln. Das Abfangen der verschieden hohen Wellenberge könnte durch eine automatische Vertikal-Lenkung der Turbinenwalze geschehen (Schema-Skizze anbei).

Monheim (Nrdrh.-Westf.) CLEMENS F. PÖTZ

Ein guter Artikel mit einigen Schwachstellen: Es trifft nicht zu, die Eierköpfe der Industrie hätten bisher »noch jeden Einwand gegen die Atomenergie vom Tisch fegen« können. Wo gibt es eine Widerlegung des Einwands, daß wir mit der Hinterlassenschaft der Kernenergietechnik. dem Atommüll, unsere Nachkommen für Tausende von Menschengeschlechtern gefährden? Ob »die Atomlobby auf der ganzen Linie gesiegt« hat, hängt davon ab, was die Bürger sich gefallen lassen. Gau-Algesheim (Rhld.-Pf.)

PROF. DR. KARL BECHERT

Die Kernenergie ist von der Bundesregierung bisher in extrem einseitiger Weise bevorzugt worden: Die 30 Millionen Mark, welche die Regierung für alle naturgegebenen Energiequellen zusammengenommen ausgegeben hat, machen noch nicht einmal 0,16 Prozent des für die Entwicklung der Kernenergie aufgewendeten Betrages aus. Die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft überlassen unbekümmert die Lagerung des radioaktiven Atommülls den kommenden 20 000 Generationen. Wurzburg PROF. DR FRANZ RAUHUT

WOLFGANG TISCHER

Ich protestiere aufs schärfste· gegen die kriminelle Art, wie Ölpest und Atompest jetzt und in Zukunft provoziert werden. Versuchen Sie nun ja nicht, mich in eine politische Links- oder Rechtsecke einzustufen, weil ich in keiner von beiden zu finden bin, da ich mit beiden Füßen im ökologischen Zusammenhang stehe.

Lund (Schweden) W. BRENNER

Künstler

Als aktiver Gewerkschafter, zugleich aber auch engagierter Umweltschützer, distanziere ich mich von Funktionären, deren geistiger Zuschnitt offenbar nicht ausreicht, um zu begreifen, daß Umweltzerstörung und Arbeitsplatzvernichtung auf die gleiche Wurzel zurückgehen, nämlich das Kapitalverwertungsinteresse. Anstatt ihre Mitglieder über diese Zusammenhänge aufzuklären, hetzen diese Herren die Kollegen gegen die keinerlei wirtschaftliche Eigeninteressen vertretenden Umweltschützer auf, die sich aufgrund der gemeinsamen Aufgabe als ihre engsten Verbündeten betrachten müßten.

Esslingen (Bad.-Württ.) GÜNTER LIEBE

Dipl.-Ing.

Ich schicke Ihnen mit diesem Brief ein Plakat, das meine Einstellung zu dem Ausspruch der Gewerkschaften »Schaffung neuer Arbeitsplätze durch Kernenergie« verdeutlichen soll.

Umkirch (bad.-württ.) mario schmidt

mitglied der bürgerinitiative umweitschute

sonnenenergie ist nur dann eine echte alternative, wenn die Öffentlichkeit zur zahlung von wesentlich (bis zu zehnmal) höheren energiepreisen bereit ist. eine echte zukunftsalternative ist dagegen die kernfusion.

eine viel aussichtsreichere alternative ist die mögliche zündung thermonuklearer mikroexplosionen. dabei handelt es sich um miniwasserstoffbomben, die so klein sind, daß ihre explosionsenergie ähnlich einer verbrennungsmaschine in einem behälter aufgefangen werden kann, zu deren zündung laserstrahlen vorgeschlagen worden sind, erstmalig 1963 von dem russischen nobelpreisträger basow.

die zündung thermonuklearer mikroexplosionen durch intensive strahlen geladener teilchen sowie techniken zur erzeugung solcher strahlen wurden erstmals von mir vor mehr als zehn jahren vorgeschlagen.

basierend auf meinen ideen sind in der zwischenzeit große experimentelle programme von etwaloo millionen dollar je jahr sowohl in den usa als auch der sowjet-union eingeleitet worden. die kürzlich gefallene entscheidung gegen den jet sollte herrn bundesminister matthöfer daher gelegenheit geben, alles zu tun, diesem neuen forschungszweig größere beachtung zu schenken und dadurch zu verhindern, daß deutschland abermals den anschluß verliert.

Reno (USA) PROF. DR. F. WINTERBERG University of Nevada

Energy and Atmospheric Environment Center

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