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Geheime Mission

aus DER SPIEGEL 21/1990

Helmut Kohls außenpolitischer Berater Horst Teltschik führte am vorletzten Wochenende Geheimverhandlungen mit der sowjetischen Regierung in Moskau, von denen weder Außenminister Hans-Dietrich Genscher noch die Bonner Botschaft in Moskau unterrichtet waren. Über Gesprächsthemen und Verhandlungspartner mag Teltschik keine Auskunft geben: »Ich bestätige keine Termine.« Wie es in Bonn heißt, hat der Kanzlerberater in Moskau über »finanzielle Dinge« gesprochen. Dabei ging es vermutlich um Lieferverpflichtungen der DDR, die nach einer Zusage Kohls von Bonn übernommen werden müssen. Außerdem sollen sich die Deutschen an den Kosten für die in der DDR stationierten sowjetischen Truppen beteiligen; die Rede ist von 300 Millionen Mark pro Jahr, die Bonn durch indirekte Transferleistungen begleichen soll. Im Auswärtigen Amt hat Teltschiks erneute Geheimdiplomatie große Verärgerung ausgelöst. Wenn der Kanzler und dessen Berater zum wiederholten Male Außenpolitik auf eigene Faust trieben, werde in Moskau der Eindruck erweckt, als könnten Kohl und Genscher gegeneinander ausgespielt werden.

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