Zur Ausgabe
Artikel 80 / 87
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

Geheimgespräch im August
aus DER SPIEGEL 3/1981

Geheimgespräch im August

(Nr. 48-52/1980, Serie: »Wie Polen verraten wurde")

Polen wurde nicht allein von Hitler, sondern auch von England, Frankreich und der UdSSR verraten. Die Westmächte wollten die UdSSR als Verteidiger Polens in einen Krieg gegen Hitler treiben, um Polen nicht beistehen zu müssen. Stalin verriet Polen trotz Nichtangriffsvertrages, indem er gemeinsam mit Hitler Polen überfiel, aufteilte, terrorisierte (Katyn!) und »umvolkte«.

Hannover PETER JORDAN

Entgegen Ihrer Ansicht waren die Aufstände von 1794, 1830, 1863 und der Warschauer Aufstand von 1944 keineswegs ein »sinnloses Blutbad«, denn erstens bestand in jedem Fall eine reelle Befreiungschance, und zweitens -- obgleich sich diese nicht realisierte -- garantierten sie das Überleben eines nationalen Bewußtseins.

Göttingen PIOTR FAJER

Wären die Polen mit den durchaus angemessenen Grenzen von 1916 zufrieden gewesen, und dazu hätten sie alle Veranlassung gehabt, wäre alles gut gewesen. Aber die den polnischen Staat seit 1918 beherrschende, extrem chauvinistische Militär-Clique hat bekanntlich ihrem maroden Staat größenwahnsinnig Millionen von Deutschen, Ukrainern, Belorussen und so weiter zwangsweise einverleibt. Damit wurden überhaupt erst die Voraussetzungen geschaffen für alles Leid, das über jeden, Polen und Deutsche, gekommen ist. Hitler wäre uns allen erspart geblieben, beziehungsweise England hätte keinen Anlaß zum Kriege gehabt, indem es die polnische Karte ausspielte.

Wilhelmshaven (Nieders.) HARM DE VRIES

Die Bildunterschrift ernennt mich zum »Botschaftssekretär Perlow«. Das mag für die Zukunft vielleicht eine günstige Rückversicherung sein, trotzdem aber möchte ich lieber unter meinem richtigen Namen Schulze-Kossens und als Adjutant des damaligen Reichsaußenministers und Mitglied der deutschen Delegation in Moskau in die Geschichte eingehen.

Düsseldorf RICHARD SCHULZE-KOSSENS

Schulze-Kossens war zwischen 1942 und 1944 persönlicher Adjutant Hitlers und danach als Obersturmbannführer letzter Kommandeur der SS-Junkerschule Tölz (europäische Freiwillige).

Lindhorst (Nieders.) HERBERT TAEGE

Die außenpolitischen Ziele Polens im Jahre 1938 werden am besten durch ein Geheimgespräch offenbart, welches im August selbigen Jahres der damalige Hohe Kommissar des Völkerbundes, Carl Jacob Burckhardt, mit Oberst Beck hatte. Hier ein Auszug aus Burckhardts Bericht:

Weiterhin spielt er, Beck, sein doppeltes Spiel. Es ist kein deutsches Spiel, wie manche Franzosen und die polnische S.12 Opposition glauben. Es ist ein Spiel, bei welchem man für Polen auf den höchsten Gewinn hofft, einen Gewinn, der sich ergeben soll aus einer schließlichen und unvermeidlichen deutschen Katastrophe. Aus diesem Grunde treibt man die Deutschen in ihre Fehlhandlungen hinein, und in Danzig läßt man mit Vergnügen die Extremisten triumphieren. Eines Tages wird man dann die Rechnung präsentieren und Zinsen und Zinseszinsen einfordern.

Stockholm (Schweden) WOLFGANG A. RAFFOLT

Die polnische Gans hatte sich nach dem Ersten Weltkrieg überfressen und wurde deshalb von Deutschen und Russen 1939 geschlachtet. Das ist aber keine Entschuldigung für die in diesem Zusammenhang begangenen Verbrechen, von wem auch immer.

Celle (Nieders.) H. ZIMMERMANN

Polen war das einzige besetzte Land, in dem keine Kandidaten zur Kollaboration auf einer hohen Verwaltungsebene, geschweige einer Regierung, gefunden wurden. Es waren die Deutschen, die sich nach solchen Leuten umschauten, aber mit äußerst magerem Ergebnis. Eine Erwähnung von Kardinal Hlond ist überhaupt nicht am Platze, er nahm von allem Anfang an eine entschieden deutschfeindliche Haltung ein.

Warschau EUGENIUSZ GUZ

Es fehlt die Erwähnung der berüchtigten Alvensleben-Konvention aus dem Jahre 1863, die auf Initiative Bismarcks zwischen Preußen und Rußland abgeschlossen wurde. Die Streitkräfte beider Staaten sollten sich danach gegenseitig bei der Unterdrückung des polnischen Aufstandes unterstützen; die Truppen hatten das Recht, im Bedarfsfalle die Landesgrenzen bei der Verfolgung flüchtiger Polen zu überschreiten. Die Konvention trat in Kraft, kam auch zur Anwendung, wenngleich Bismarck sie aufgrund der Empörung in Frankreich und England sowie der Kritik in Preußen selbst bald preisgab.

Frankfurt ULRICH KEITEL

»Noch ist Polen nicht verloren«, die spätere Nationalhymne, wurde nicht 1797 von polnischen Legionären in Oberitalien erfunden, sondern von dem sich damals in Paris aufhaltenden Publizisten Josef Wybicki gedichtet und von dem von Dabrowski befehligten polnischen Freikorps der Lombardischen Republik als Hymne übernommen.

Glückstadt (Schlesw.-Holst.) DR. FRITZ TREICHEL

S.10Dritter von links: Schulze-Kossens.*

Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 80 / 87
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.