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Hausmitteilung Gehlen

aus DER SPIEGEL 39/1980

Datum: 22. September 1980 Betr.: Gehlen, Strauss

Mitteilungen aus dem Grabe haben meist etwas Anrüchiges. Der Schreiber will unbewusst immer noch wichtig sein, will »überleben«. So hat denn auch der Geheimdienstgeneral Gehlen es nicht lassen können, dem ungeliebten Kanzler Helmut Schmidt aus dem Grabe heraus einen Tort zu tun: Schmidt, 1962 Innensenator in Hamburg, habe den SPIEGEL vor den Zugriffen der Bundesanwaltschaft ("SPIEGEL-Affäre") gewarnt, so meint Gehlen in seinem neuen Buch mit dem nahezu pornographischen Titel »Verschlussache«.

Beweise hat Gehlen nicht. Wohl aber hat er das unabweisliche Gefühl, es müsse so gewesen sein. Zeugen hat er auch nicht. Schmidt wurde 1962 (absichtlich) zu so später Stunde informiert, daß er rein technisch keine Warnung mehr hätte geben können. Im übrigen muss man sich fragen, warum der SPIEGEL die gravierenden Beweisstücke dann nicht beiseite geschafft hat. Derlei hat den General a. D. nie angefochten. Dieser preussische Hitler-General hat die Tugend der Logik nie geschätzt. Beneidenswert, wer frei davon.

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