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Briefe

Geile Pfaffen
aus DER SPIEGEL 17/1995

Geile Pfaffen

(Nr. 15/1995, Österreich: Theologe Adolf Holl über den Wiener Kardinal Groer)

Warum soviel Aufhebens um den Wiener Kardinal-Erzbischof? Hatte nicht auch im klassischen Griechenland jeder vernünftige Mann seinen Lustknaben? *UNTERSCHRIFT: Gladbeck MARGRET HOLLENDER

Das Phänomen, daß sich Pfarrer vorwiegend Jungen mit sexuellen Absichten nähern, hat vermutlich seine Ursache in deren leichterer Verfügbarkeit für die Geistlichen. Außerdem macht die kirchliche Ideologie ("das unreine Weib«, Leugnung der Homosexualität in den eigenen Reihen) es ihnen leichter, den sexuellen Aspekt der Annäherung an Jungen zu verdrängen und die wahre Motivation hinter seelsorgerischen oder pädagogischen Zielsetzungen zu verbergen. Der Fall Groer darf nicht zu neuen Ressentiments gegenüber Homosexualität führen, da nicht diese, sondern die Abwertung und Unterdrückung der Sexualität die Ursache für die Abwege der Kirchenmänner ist. *UNTERSCHRIFT: Kiel OSGER ECKARDT

Der Theologe Adolf Holl glaubt den Schlüssel zur Seele des Bischofs Groer gefunden zu haben, indem er einen Zusammenhang zwischen Marienfrömmigkeit und Sexualität sieht. Diese Vermutung halte ich nicht für ein tiefenpsychologisches Denkmodell, sondern für eine perverse Denkungsart. *UNTERSCHRIFT: Stephanskirchen (Bayern) HEINRICH GEERLING

In der Tat, Hollabrunn ist überall. Ich, Jahrgang 1939 und in klösterlicher Obhut gewesen von 1947 bis 1957, könnte darüber ganze Episteln verfassen. Die Liebesspiele Seiner Eminenz dürften sich dagegen noch recht harmlos ausnehmen. Die geilsten Pfaffen waren regelmäßig diejenigen, die in ihren Predigten von der Kanzel der Klosterkirche am lautesten gegen Unzucht und Völlerei wetterten. *UNTERSCHRIFT: Butzbach-Münster GÜNTER BRAUNER

»Hätte die Natur nicht gewollt, daß der Kopf den Forderungen des Unterleibs Gehör geben sollte, was hätte sie nötig gehabt, den Kopf an einen Unterleib anzuschließen . . .«, bemerkte 1771 der Physiker Lichtenberg. Über 200 Jahre später hat die katholische Kirche diese Sache immer noch nicht ganz durchschaut. *UNTERSCHRIFT: Hattingen (Nrdrh.-Westf.) DIETMAR FRITZE

Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe gekürzt zu veröffentlichen. *BEILAGE: Der Gesamtauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe ist ein Prospekt der Firma Brother, Bad Vilbel, beigeklebt. Eine Teilauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe enthält eine Beilage der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung in Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, sowie des SPIEGEL-Verlages / SPIEGEL special, Hamburg.

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