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Briefe

GEKAUFTE MEDAILLEN
aus DER SPIEGEL 43/1968

GEKAUFTE MEDAILLEN

(Nr. 41/1968, Olympia-Titel)

Ihre Ausführungen über die Olympia-Planung sind sehr gut gelungen. Sie befassen sich sehr genau mit den Problemen, die die ersten Olympischen Höhenspiele mit sich bringen. Diese Titelgeschichte sollte jeder Sportinteressierte lesen. Sehr wundern muß ich mich über die Absichten einiger Mitglieder des Bundestages, deren Olympiareise von der »Stiftung Jugendmarke« finanziert werden soll. Für solche Zwecke werden also die Erlöse von den Jugendwohlfahrtsmarken verwendet. Welche Olympianormen muß man erfüllen, uni auf diesen Wegen nach Mexiko zu gelangen?

Lohfelden (Hessen) DIETER BIRKELBACH

Ein gefüllter Zettelkasten ist noch kein Garant für einen guten Artikel, gute Artikel zu schreiben ist »so wenig antrainierbar wie es blaue Augen oder eine Hakennase sind.

Münster (Nrdrh.-Westf.) ULF DUNKERBEK

Der interessante und aufschlußreiche Artikel kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß man. um vergleichbare Werte in verschiedenen Sportarten zu haben, künftig mit zwei Rekordskalen rechnen muß: Naturergehnisse, das heißt ohne technische Hilfsmittel erzielt, und Ergebnisse, bei denen mit fortschreitendem Einsatz technischer Hilfsmittel letztere ohne Einschränkung erlaubt sind. Die Rekorde der zweiten Kategorie mit früher unter anderen Umständen erzielten Rekordleistungen gegenüberzustellen, dürfte nicht angängig sein. Die Entwicklung geht bestimmt weiter: die Ruderer werden Regattastrecken aus reinem Alkohol oder Öl verlangen, um höhere Geschwindigkeiten zu erzielen, die Schwimmer elastische Beckenwände, um sich wie die Stabhochsprinter beim Wenden katapultieren zu lassen. Wenn hier nicht klare Verhältnisse, das heißt Abgrenzungen, geschaffen werden, gerät der ganze Sport in ein organisiertes Chaos, oder in ein reines Showgeschäft.

Heiligenhaus (Nrdrh.-Westf.) EDUARD FISCHER

Alle vier Jahre olympischer Jahrmarkt, Motto der alten Griechen: Nur in einem gesunden Körper kann ein gesunder Geist wohnen! Die Kugelstoßer bringen rund 109 Kilogramm auf die Waage. Ein wahrhaft griechischer Körper! Noch besser bei den Gewichtbebern: Ein Anblick, der die alten Griechen zum Schaudern bringen würde!

Ein deutscher Gewichtheber auf die Frage des Reporters, ob er fit sei: Ich habe zwar 20 Pfund abgenommen; aber wenn ich meine 300 Pfund wieder schaffe, gibt es eine Medaille!«

Und erst die Sportlerinnen: Breite Schultern, keine Taille, dafür Bizeps und Bewegungen wie ein Hafenarbeiter! Das ist schön anzusehen! De Gaulle sprach von einer nationalen

Schande und förderte den Sport. Russen und Amerikaner haben längst Profis geschickt. Bei uns ist es nicht viel anders. Gekaufte Medaillen!

Berlin UWE MICHAELSEN

also sind nach dem Urteil des Herrn Dr. Steinbach -- Psychiater -- alle Leistungssportler psychiatrische Fälle, folglich die Olympiade ein Wettkampf Nicht-Normaler. Danke für die neuartige Auslegung des olympischen Gedankens.

Neukirchen (Hessen) DR. MANFRED FRISCH

In der Tat dies ist eine Olympiade der reichen Nationen. Das geht aus Ihrem Bericht ganz eindeutig hervor! Ob es wohl noch im Sinne von Coubertin -- dem Initiator der Olympischen Spiele moderner Zeitrechnung -- oder im Sinne von überhaupt jemandem ist. wenn nur der eine Chance auf Sieg hat, der reich ist?

Rom BUBI ENRICO

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