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Uno Geld für Ghali-Wahl?

aus DER SPIEGEL 48/1996

Die weltweite Empörung über das amerikanische Veto gegen eine zweite Amtszeit für Butros Butros Ghali, den ersten Uno-Generalsekretär afrikanischer Herkunft, ist so groß, daß Geld das weitere Abstimmungsverhalten ärmerer Länder beinflussen könnte. Ghali-Sympathisanten aus den Golfstaaten haben afrikanischen und lateinamerikanischen Diplomaten großzügige Kompensationen angeboten, falls sie weiterhin für Ghali stimmen und sich deshalb Repressalien ausgesetzt sähen. Französische Diplomaten wollen sogar prüfen, ob nicht der Uno-Hauptsitz aus New York abgezogen und beispielsweise nach Genf verlegt werden kann. Die Verärgerung über den amerikanischen Alleingang läßt westliche Diplomaten fürchten, daß bei Ablauf von Ghalis Amtszeit am 31. Dezember kein neuer Generalsekretär zur Verfügung steht und die Weltorganisation kommissarisch verwaltet werden muß. Dennoch sind sich die meisten westlichen Diplomaten einig, daß ein ganz großer Konflikt - etwa wenn Ghali unter Umgehung des Sicherheitsrats von der Generalversammlung gewählt werden sollte - vermieden werden kann. Zumindest eines sei klar: Auch der nächste Generalsekretär wird aus Afrika stammen.

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