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Schweden Geld ist Zelt

Die Abschaffung kleinster Münzen erspart dem Einzelhandel und seinen Kunden Zeit, dem Fiskus Millionen.
aus DER SPIEGEL 32/1972

In schwedischen Portemonnaies und Ladenkassen gibt es kein Kleinstgeld mehr. Es wurde vom Staat abgeschafft.

Denn Regierung und Reichstag hatten erkannt, daß die Gleichung »Zeit ist Geld« auch umgekehrt stimmt: »Geld ist Zeit« -- vergeudete Zeit nämlich, wenn man sich im Barzahlungsverkehr mit sämtlichen (neun) einstelligen Pfennigbeträgen abmühen muß.

Seit dem 1. Juli stehen auf schwedischen Notas und Kassenbons hinter dem Komma nur noch halbe oder ganze Zehner. Das Ein-Öre-Stück (0,67 Pfennig) und das Zwei-Öre-Stück wurden für ungültig erklärt. Niedrigste noch gängige Münze: fünf Öre.

Was bislang 1,22 oder 3,79 Kronen kostete, soll dennoch weiter dasselbe kosten. Schwedens Staatliche Preis- und Kartellbehörde will streng darauf achten, daß der Handel sich der Münzreform nicht durch eine Preisreform nach oben anpaßt.

Zwar soll in Schweden fortan abgerundet werden, aber nicht nur nach oben: Nach unten sind die Endziffern Eins und Zwei (auf Null) sowie Sechs und Sieben (auf Fünf) abzurunden, nach oben die Endziffern Drei und Vier (auf Fünf) sowie Acht und Neun (auf Zehn). Käufer oder Verkäufer zahlen oder kassieren mithin höchstens zwei Öre zuviel oder zuwenig.

Außerdem: Der Verkäufer kann nicht den Preis der einzelnen Waren, sondern soll nur die Preisaddition aller vom Kunden gekauften Waren auf fünf oder zehn Öre glätten.

Obschon Schwedens Münze in den letzten zehn Jahren 150 Millionen Ein-Öre- und fast ebenso viele Zwei-Öre-Stücke ausgab, waren sie oft Mangelware. Die Reichsbank vermutete richtig, daß die Schweden ihre Kleinstgeldernte des Tages jeden Abend in Schubläden und Sparbüchsen warfen.

Um das Gehortete umzutauschen. beeinträchtigen die Bürger jetzt den normalen Geschäftsbetrieb der Banken, die bis Mitte Juli bereits rund 450 000 Kilogramm ausrangierte Münzen gezählt und an die Staatliche Münze weitergegeben haben.

Dem Fiskus bringt die Münzreform sogar noch bares Geld ein. Er hatte das Kleinzeug weit unter Erzeugerpreis abgeben müssen -- allein die Metallkosten eines Ein-öre-Stücks betrugen drei Öre. Jetzt spart er jährlich etliche Millionen Mark.

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