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AUSTRALIEN Geld statt Asyl

aus DER SPIEGEL 49/2002

Für fast die Hälfte der Asylbewerber, die im Sommer 2001 Australien erreichen wollten und zum Teil vom norwegischen Frachter »Tampa« aus Seenot gerettet wurden, ist die Odyssee zu Ende. Rund 700 der vorübergehend auf die Südseeinsel Nauru und nach Papua-Neuguinea verbannten Asiaten sind wieder daheim. Eine 113-köpfige Gruppe wurde vorigen Monat nach Kabul ausgeflogen - freiwillig, wie die australischen Behörden behaupten, auch wegen der unzumutbaren Verhältnisse auf Nauru, wie die Betroffenen selbst sagen. Weitere Flüge sollen organisiert werden, sobald die erforderlichen Ausweise für die Flüchtlinge ausgestellt sind.

Die Regierung in Canberra entledigt sich ihres Problems mit Geld. Heimkehrwillige erhalten, sofern sie ihre Asylanträge zurückziehen, umgerechnet gut 1100 Euro - das durchschnittliche Jahreseinkommen in Afghanistan liegt deutlich unter 200 Euro. Manche Familien kommen auf über 5000 Euro Abfindung. Für 170 Personen, denen eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung in Australien erteilt wurde, wird das Verfahren neu aufgerollt, weil sie nicht aus dem damaligen Bürgerkriegsland Afghanistan stammen, sondern aus Pakistan. Derzeit befinden sich noch 549 Afghanen auf Nauru; 318 von ihnen wollen das australische Geldgeschenk annehmen. Einwanderungsminister Philip Ruddock schwärmt ihnen vom freundlichen Empfang daheim am Hindukusch vor: »Sogar Regierungsmitglieder erscheinen.«

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