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Briefe

Gemeinsam gegen das Böse
aus DER SPIEGEL 2/2003

Gemeinsam gegen das Böse

Nr. 51 und 52/2002, Kino: Peter Jacksons Bestseller-Fortsetzung »Der Herr der Ringe - Die zwei Türme« und Prisma/Kulturwissenschaft: Rassismus im »Herrn der Ringe«?

Sie suchen sich alles heraus, was Ihnen nicht passt, und schaffen es nebenher, die Stärken des Films geflissentlich zu ignorieren. Sehr irritiert war ich über Ihre Behauptung, das Erscheinen Gandalfs am Schluss des Films sei ein Deus ex Machina. Angesichts der Tatsache, dass Gandalf nicht nur früher im Film eingeführt wird, sondern auch seine Rückkehr genau für den fraglichen Zeitpunkt ankündigt, ist es ziemlich absurd, hier von einem Deus ex Machina zu sprechen.

LEVERKUSEN SEBASTIAN MORETTO

Sie schreiben, dass Gandalf ständig auf- und abgeht und es nicht klar sei, was er gerade mache. Das ist nicht ganz richtig, denn Gandalf ist losgegangen, um Hilfe zu holen. Da haben Sie wohl nicht aufgepasst! IHLOW (NIEDERS.) ChrIstoffer REUTER (13)

Für die Tatsache, dass es in der gesamten Buchtrilogie auf über tausend Seiten nur acht weibliche Charaktere gibt, kann man Peter Jackson schwerlich verantwortlich machen. Er hat die Handlungsanteile von Arwen schon erheblich ausgebaut. Auch die kritisierte Vielzahl und Unübersichtlichkeit der handelnden Personen ist gegenüber dem Buch bereits reduziert worden. Falls der Film tatsächlich »alle Gesetze des amerikanischen Erzählkinos ignoriert«, so sagt das bestenfalls etwas über die Mittelmäßigkeit der meisten Hollywood-Streifen aus.

MINDEN (NRDRH.-WESTF.) TORSTEN JANKE SANDRA RÖMERMANN

Ihre Formulierung »das düster-brutale Werk« klingt ja schwer danach, als ob Sie sich an diesen Kampfszenen stören würden, aber man darf nun mal nicht vergessen, dass in Mittelerde Krieg herrscht und dass sich Orcs nicht mit netten Worten vertreiben lassen. Und ein paar abgeschlagene Glieder können einen wohl kaum stören.

BERLIN SOPHIE ALMER (13)

Ich bin empört von den Äußerungen des Literaturwissenschaftlers Stephen Shapiro, Tolkien und der Regisseur des Films Peter Jackson seien Rassisten, unter anderem, weil die bösen Orcs wie Aborigines aussähen. Wenn jemand rassistische Züge in seiner Literatur zeigt, dann ist es Shapiro. Ich empfinde es als extreme Beleidigung an das gesamte Volk der Aborigines, wenn man sie mit der primitiven, dummen, abgrundtief hässlichen und durch und durch bösen Rasse der Orcs vergleicht.

DÜNGENHEIM (RHLD.-PF.) KATJA HEISE

Tolkien war weit, sehr weit davon entfernt, ein Rassist zu sein. Im Gegenteil, in seinen Briefen hat er sich heftigst gegen Rassismus und Antisemitismus ausgesprochen. Dass Tolkien seine Orcs als dunkel beschreibt, liegt daran, dass diese Diener des Bösen sind, und Tolkien hat sich hier nur eines jahrhundertealten Klischees bedient, denn seit jeher wird das Böse als dunkel dargestellt. In Tolkiens Werk schließen sich doch sämtliche Völker und Rassen Mittelerdes zusammen, um gemeinsam gegen das Böse und für eine friedvolle Welt zu kämpfen.

ERLANGEN (BAYERN) TINA WIPPEL

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