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Genossen am Pranger

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aus DER SPIEGEL 33/1986

Sozialdemokraten, die sich mit Springers »Bild«-Zeitung einlassen, müssen künftig damit rechnen, von der Parteizeitung »Vorwärts« bloßgestellt zu werden. Unter der Rubrik »Bild-Störung« will das SPD-Wochenblatt alle Genossinnen und Genossen namhaft machen, die dem Boulevardblatt und seinen Ablegern Interviews geben »oder gar in Testimonial-Anzeigen für Springer-Produkte« werben. Begründung: Es seien »gerade Sozialdemokraten und Gewerkschafter ... die in diesen Blättern heruntergemacht werden«. Als Kronzeugen für ihren Boykott-Aufruf zitierten die »Vorwärts«-Redakteure den SPD-Fraktionsvorsitzenden Hans-Jochen Vogel ("Wir sollten die 'Bild'-Zeitung in das Verzeichnis unserer erklärten politischen Gegner aufnehmen und uns entsprechend verhalten"), als ersten Delinquenten führten sie den stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Horst Ehmke, vor, der gemäß offizieller Parteilinie in »Bild« gegen eine rot-grüne Koalition auf Bundesebene plädiert hatte. Nächster Aspirant für den Springer-Pranger: der Kanzlerkandidat der SPD, Johannes Rau. Er warb am vergangenen Montag in einem Gastkommentar in Springers »Auto Bild« für »weniger Gas« und »mehr Vernunft« im Straßenverkehr.

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