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KRIEGSVERBRECHEN Genozid an Volksdeutschen

aus DER SPIEGEL 50/2001

Jugoslawien war nicht erst unter dem Milosevic-Regime ein Land der Massengräber, sondern bereits zu Titos Zeiten. Derzeit werden in Slowenien Grabstätten geöffnet, in denen Volksdeutsche liegen, die Ende des Zweiten Weltkriegs aus der Vojvodina deportiert wurden. 500 bis 2000 Leichen sollen unter anderem bei Slovenska Bistrica und in Lancovo nahe Radovljica verscharrt worden sein. Behörden wie Einwohner kennen die Gräber seit über 50 Jahren, doch sie schwiegen bislang. Bis zur Unabhängigkeit Sloweniens 1991 sei dies ein absolutes Tabu-Thema gewesen, sagen Zeugen der Gräueltaten, außerdem zeige die neue demokratische Führung in Ljubljana »nur wenig Interesse an einer Aufklärung«. Von der halben Million Deutscher, die - fast alle mit jugoslawischer Staatsangehörigkeit - in Jugoslawien lebten, flüchteten die meisten 1944. Titos Partisanen steckten 170 000 in Lager, etwa 51 000 kamen dort ums Leben. 12 380 Volksdeutsche wurden in die Sowjetunion deportiert. Auch kroatische Ustaschi und Tschetniks aus Serbien und Montenegro fielen den ethnischen Säuberungen zum Opfer: In Kocilski Rog und bei Maribor wurde jetzt mit der Öffnung von Massengräbern begonnen, in denen jeweils 7000 bis 10 000 Leichen vermutet werden. Die neue Regierung in Belgrad verheimlicht den Genozid nicht mehr: Im November fand in Knicanin (einst Rudolfsgrad), wo sich eines der Lager befand und 11 000 Deutsche starben, ein ökumenischer Gottesdienst statt.

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