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ALGERIEN Gescheiterte Versöhnung?

aus DER SPIEGEL 50/1999

Die Hoffnung auf ein schnelles Ende des Bürgerkriegs, die nach dem erfolgreichen Referendum zur »Nationalen Eintracht« im September aufgekeimt war, hat sich deutlich verschlechtert. Der Mitbegründer der Islamischen Heilsfront (FIS), Abbassi al-Madani, hat Präsident Abdelaziz Bouteflika jetzt seine Unterstützung entzogen. Der Staatschef hatte den islamistischen Untergrundkämpfern Straffreiheit versprochen, falls sie die Waffen bis zum 13. Januar niederlegen. In einem langen Brief an die wichtigsten Chefs der bewaffneten Gruppen erklärt Madani, der unter Hausarrest steht, warum er das Vertrauen in den Versöhnungskurs verloren habe: Ursprünglich habe sich Bouteflika verpflichtet, das Land durch einen Dialog mit allen Kräften aus der Krise zu führen. Stattdessen versteife sich das Regime auf einen »Monolog«, der seine Unehrlichkeit beweise - »selbst um den Preis der Ausrottung des Volkes und der Zerstörung des Landes«. Tatsächlich haben die Gewalttaten vor Beginn des Fastenmonats Ramadan in Algerien wieder stark zugenommen, seit Anfang November kamen über 200 Menschen ums Leben. Viele Algerier befürchten, dass die Militärs das Verstreichen der Friedensfrist im Januar zum Anlass für eine neue Großoffensive gegen die Islamisten nutzen werden.

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