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Briefe

Geschichtsloch gestopft
aus DER SPIEGEL 31/1992

Geschichtsloch gestopft

(Nr. 29/30/1992, SPIEGEL-Titel: Neue Tagebuchfunde des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels / Nr. 30/1992, Kommentar von Rudolf Augstein: Die zu späte Verschwörung)

Auf den Fanatiker und Opportunisten Goebbels, diesen notorischen Menschenverächter und bösartigsten Demagogen der Neuzeit, trifft wie auf kaum einen anderen Volksverführer der neueren Geschichte ein Wort von Gottfried Benn zu: »Keine Propaganda kann Exkremente in Maiglöckchen verwandeln.« *UNTERSCHRIFT: Würzburg PROF. DR. THEO MEYER

Wie schön, daß nun nicht nur das berühmte Sommerloch der Medien, sondern das Geschichtsloch über die sichere Beweisführung der Kriegsschuld und anderer Fragwürdigkeiten der Nachkriegshistorie gestopft werden kann. *UNTERSCHRIFT: Waldburg (Bad.-Württ.) WILHELM LEHBRINK

Ich bin 82 Jahre alt und sage in letzter Zeit immer, wir müssen viel mehr aus der NS-Zeit erzählen. Die Fotos sind so gut. *UNTERSCHRIFT: Rehlingen-Siersburg (Saarl.) BERTA LAY

Wer hat schon Interesse an den unreflektierten Innenansichten dieses Massenmörders? Ich jedenfalls nicht. *UNTERSCHRIFT: Kirchzarten (Bad.-Württ.) JÜRGEN SCHMADLAK

Ihr einführender Kommentar zu den jüngst aufgetauchten Fragmenten der Goebbels-Tagebücher hat mir gut gefallen. Bedauerlich bleibt, daß das Moskauer Staatsarchiv gerade dem wenig seriösen britischen »Historiker« Irving die Dokumente zugänglich machte. *UNTERSCHRIFT: Osnabrück DR. HANS-JÜRGEN DÖSCHER

Wenn Sie die in Ihrer Ausgabe 29/1992 abgebildete Schrift als »Sütterlin« bezeichnen, dann weiß ich nicht, was ich einmal in der Schule gelernt habe. Ich kann dieses Schriftbild nur als »Mischmasch« bezeichnen, bei dem die Sütterlin-Elemente kaum eine Chance haben. Auch diese Schrift hatte ihre festen Regeln, die zu beachten waren. Daß diese dem Herrn Goebbels unbekannt gewesen sein sollten, kann ich mir nicht vorstellen. Oder? *UNTERSCHRIFT: Bochum ERWIN REUSE

Zum durchaus nationalen Hintergrund Stauffenbergs, den Sie nur am Rande streifen, noch eine Anmerkung: Zusammen mit seinen Brüdern gehörte er zum engsten Kreis um den »Guru« Stefan George, dessen mythische Wertewelt sie übernahmen. George propagierte das Ethos der Tat und gerierte sich als Prophet eines kommenden neuen Reiches. Seine Vorstellungen zur Überwindung der europäischen Kulturkrise durch die Stiftung eines mythischen Bundes antizipierten den Nationalsozialismus, den Stauffenberg bei seinem Aufkommen begeistert begrüßte. Erst 1943 erkannte er in Hitler den Verbrecher. *UNTERSCHRIFT: München ULRICH VON PRESSENTIN

Ein Bravo dem SPIEGEL für die Publikation der neuen Goebbels-Tagebücher. Wenn es all den Czaja- und Hupka-Anhängern denn vorher verborgen geblieben sein sollte, daß das Münchner Abkommen von seiten Hitlerdeutschlands nichts als nackte Nazi-Aggression war; wenn all diese Völkerrecht-Equilibristen der Berufsvertriebenen-Hochriege und ihrer CSU-Mäzenaten sich bisher noch diesbezüglich herausreden zu können glaubten - nun liest ihnen Hitlers Chefpropagandist persönlich die historischen Leviten: Was 1938 erst zur Besetzung tschechischen Territoriums in Form des Sudetenlandes und dann 1939, zur Auslöschung des tschechoslowakischen Staates führte - es war von Anfang an, von der Wurzel her verbrecherisch. Die ganze absichtsvolle »ex-hunc-ex-tunc«-Diskussion entlarvt die professionell Unverbesserlichen als das, was sie immer waren und bis heute geblieben sind: als latente Bekenner nationalsozialistischer Geschichtsinterpretationen. *UNTERSCHRIFT: Köln RALPH GIORDANO

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