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Briefe

GESTOCHENER STAR
aus DER SPIEGEL 1/1960

GESTOCHENER STAR

Mit einiger Spannung schaltete ich am Sonntag nach Erscheinen Ihres Höfer-Artikels mein Rundfunkgerät ein, in der Hoffnung, Werner Höfer hätte zu seinem Frühschoppen einen Ihrer Redakteure eingeladen. Leider beschränkte er sich lediglich darauf, einleitend einige häßliche Worte gegen Sie zu richten, allerdings ohne Ihren Namen zu erwähnen.

Obwohl man den Inhalt des Gesprächs nicht gerade als interessant bezeichnen konnte, förderte diese Diskussionsrunde doch etwas Neues hervor: einen veränderten Werner Höfer. Obwohl Höfer zeitweise in sein altes Extrem zurückfiel, seinen Gesprächsteilnehmern ins Wort zu fallen, zeigte er sich doch wesentlich konzilianter, redete weniger als sonst und konstruierte nicht einmal den abschließenden Trinkspruch selbst.

Sollte diese Wandlung Höfers auf die Veröffentlichung Ihrer Titelgeschichte über ihn zurückzuführen sein, so möchte ich Sie dazu beglückwünschen und mich mit Ihnen freuen.

Berlin-Schöneberg O. E. SCHMIEL

Beim »Internationalen Frühschoppen« am 13. Dezember ließ Höfer seine Gesprächspartner ungestört ausreden, so daß diese Muße hatten, untereinander zu debattieren Höfer brachte es sogar so weit, einem anderen das Wort zu überlassen. Das ab und zu von ihm dazwischen geworfene »wunderbar« zeigte noch den alten Höfer, während der neue Höfer einen beinahe echtliebenswürdigen, zurückhaltenden Conférencier darstellte.

Hamburg 13 GUDRUN MAEDER

Der Frühschoppen am 13. Dezember kam mir vor wie eine Fraktionssitzung der CDU, mit dem Ziel, sich ja gegenseitig nicht wehe zu tun. Hätte Werner Höfer nur ein bißchen Humor, so wäre einer Ihrer Redakteure bei ihm zu Gast gewesen. Statt dessen spielte er die gekränkte Primadonna. Ganz gegen seine Art sprach er heute zuerst von dem »Mann zwischen den fünf Stühlen« und »Tonbandaffären«, um anschließend seine Gäste vorzustellen.

Wulferdingsen (Minden) OTTO BUHR

Ihre Kritik am Frühschoppen und seinem Initiator Werner Höfer dürfte doch wohl zu einem wesentlichen Teil darauf zurückzuführen sein, daß zu dieser Sendung - sofern ich mich richtig erinnere - noch niemals ein Redakteur Ihrer Zeitschrift eingeladen worden ist ...

Stuttgart-Zuffenhausen G. SCHNEIDER

Leser Schneider irrt: Bonner Korrespondenten des SPIEGEL waren mehrfach Teilnehmer am Frühschoppen. - Red.

Die Reaktion auf den SPIEGEL-Artikel zeigte sich zweifellos am 13. Dezember in der angenehmen Zurückhaltung Höfers. Die oft störende brüske Unterbrechung der Gespräche war nicht mehr zu bemerken. Ebenso habe ich angenehm empfunden, daß das »geschwollene Repertoire« der im SPIEGEL angedeuteten Floskeln und die unnötigen Höflichkeiten diesmal nicht mehr zu bemerken waren.

Hamburg-Harburg WALTER WENDT

Höfer ist offenbar nicht bereit, aus Ihren Anregungen, ja nicht einmal aus dem Gesamttenor dieser ergötzlichen Glosse Folgerungen zu ziehen. Für die nächsten fünf Jahre, so versicherte er getreulich, werde er weiterhin allsonntäglich (Tonbandjägern zur Freude) durch das Kraut der Politik stapfen.

Göppingen HOLM V. STERNSTEIN

Herr Höfer wird die Fassung schon deshalb bewahren können, weil ihm bewußt ist, daß er seine geschliffenen Formulierungen nicht in aller Ruhe am heimlichen Redaktionstisch »auskochen« kann, sondern während einer Live-Sendung vor Millionen Augen und Ohren in freier Rede aus dem Ärmel schütteln muß. Wobei ihm neuerdings kein Zweifel bleibt, daß stenographierende Detektive jedes Wort davon festhalten, um es später genüßlich auf grammatikalische, stilistische Keimfreiheit zu untersuchen.

Berlin-Schöneberg HARALD KARAS

Genauso verzerrt wie das Titelphoto blieb auch der lauwarme Rest dieser so unglücklichen Schaustellung. Göttingen K. ESSER

Ihr Werner-Höfer-Titelbild - eine großartige Gedankenleistung: Diese Großaufnahme des Antlitzes in der

Verzerrungstechnik des Empfängerschirmes stellt eine geniale Konzeption zum Inhalt des Artikels dar.

Berlin-Tempelhof URSULA OKRAS

Ob Biedermannston, ob Biertisch-Sentimentalitäten, peinlich für den Zuschauer und Zuhörer ist stets ein Teil der Sendung, und der Eindruck bleibt: Das ist eine von den großen Taten, sich in seinem eigenen Fett zu braten (Goethe).

Hannover HANS H. MEYER

Nach der Folterung Kilbs und Höfers im SPIEGEL sind uns diese erst recht sympathisch. Hätten Ihre Redakteure nur einen Hauch von Höfers Wärme und Humor, Charme und Esprit, und wären sie wenigstens etwas weniger grausame Quirinis!

Ahrweiler (Rhein) KARL MÖLLER

Hornberger (Ab-)Schießen nun auch von Journalist zu Journalist? Wie rührend, daß der SPIEGEL niemanden vergißt!

Freiburg (Breisgau) F.-W. REUTER

Ihre höchst begrüßenswerte Titelgeschichte wird dem Machtphänomen Werner Höfer, fürchte ich, ebensowenig Abbruch tun, wie zum Beispiel der hinreißende Pegasusritt des Kollegen Graf Finck von Finckenstein ("Almanach«-Gespräch, Rückspiegel 47/1959) Ihrer eigenen mächtigen Auflage schaden kann. Bedenken Sie, Höfer hat für seinen Teil einen zahlenmäßig und ideologisch unschlagbaren Kundenkreis hinter sich. Es sind immense Schichten innerhalb der mittleren und der alternden Generation. Kultiviertheit und Kalkhaltigkeit, Autoritätssucht und Autoritätsflucht zeichnen sie in ungefähr gleichen, genau dosierten Prozentteilen aus. Ihre Idole sind daher folgerichtig die Überreifen ebensogut wie die Halbgereiften. Im Konzertleben haben Großmutter Elly Ney und der muttergebundene Rudolf Schock längst ein Publikum von erheblicher Kopfstärke an sich gezogen. Entsprechend und mit definitiver Wirkung tun's in der Politik Großvater Konrad auf der einen und der ebenso redegewandte Funkknabe Werner von der anderen Seite her. Die Sphäre des Chopin-»Pianisten« Liberace und der Soraya-Wochenblatt-Kommentatoren hat damit zwar noch nichts zu tun, doch beginnt sie gleich anderthalb Daumenbreiten darunter. Spannend wird die Sache natürlich, wenn so wahlverwandte Phänomene wie Werner Höfer und der SPIEGEL gegeneinander geraten.

Wuppertal DR. HEINRICH VON LÜTTWITZ

Westdeutsche Rundschau

... Beeinträchtigung der Sonntagsfreude durch Werner Höfer...

Hamburg 22 WALTER KALLWELLIS

Ihre von Neid und Mißgunst durchsetzte schmutzige Kritik muß jeden Fernsehteilnehmer anekeln.

Heidelberg DR. MAX HEBERLE

Selbst an dem Gewerkschaftsfunktionär Brenner fanden Sie seinerzeit gute Seiten. Warum nicht an Werner Höfer?

Düsseldorf WOLFGANG KOHLSCHEIN

Erst durch Ihren ausgezeichneten Artikel ist mir bewußt geworden, daß alles, in der Quintessenz, eine große Schaumschlägerei ist.

Hamburg 26 JOH. M. FREDERKING

Es stimmt teilweise, daß Werner Höfer eine egozentrische Persönlichkeit ist. Ich sage »ist« und nicht »hat«. Aber wie viele Vertreter der deutschen und ausländischen »Intelligenz« sind nicht egozentrisch? In der Welt, in der wir leben, ... ist ein gewisser Grad Egozentrismus leider nicht zu verhindern. Es ist auch nicht gesagt, daß das Publikum auf Star-Allüren unbedingt negativ reagiert ... Ich möchte gern fragen, welcher verantwortliche Kollege an Stelle Höfers nicht zum Egozentrismus neigen würde. Lippmann oder Friedlaender? Carlo Schmid oder mein guter und kluger Freund Henri Nannen? Madame Tabouis oder Elsa Maxwell? Ich selbst kann mich, wenn ich abends zu meinen 25 Millionen Hörern und wöchentlich zu meinen etwa halb so vielen TV-Zuschauern spreche, von einer unvermeidlichen, hoffentlich kontrollierbaren egozentrischen Neigung auch nur schwer befreien.

Was die »beruflichen« Vorwürfe betrifft, so meine ich: Es ist ein Glück, daß die Leitung des IF nicht in die kalten und zurückhaltenden Hände eines ausgesprochen professoralen Fachmannes der Außenpolitik gelegt wurde. Sie vergessen leider, liebe Kollegen, daß die Hörer und Zuschauer des IF nicht nur die Beamten des AA und die Lehrer des Völkerrechts an den Universitäten der Bundesrepublik sind, sondern vor allem die breite Masse der Bevölkerung ...

Sicher spricht Werner Höfer manchmal zu lange während einer Sendung. Wenn ich dabei bin, unterbreche ich ihn deswegen prinzipiell. Aber: Es ist weiß Gott nicht leicht, fünf oder sechs Köpfe aus verschiedenen Ländern ohne Panne durch so einen »Frühschoppen« zu leiten. Übrigens hat Herr Höfer niemanden von uns - ich bin einer der Veteranen des IF - je behindert, seine Meinung zu äußern. Auch nicht, wenn sie seiner widersprach. Last, not least: Höfer ist sicher kein Konformist. Er dient nicht der Behörde und den Parteien, eher dem Publikum und - ein bißchen - sich selbst. Hoffen wir, daß der IF eine lebendige Meinungs-Show bleibt mit Informations- und Unterhaltungszweck und nicht eine langweilige, didaktische, gründlichkeitsbesessene Lehrstunde!

Bonn DR. SANDRO PATERNOSTRO

Bonner Korrespondent

Radiotelevisione Italiana

Auch in der Sendung »Unter uns gesagt« wird ab und zu ein Diskussionsteilnehmer unterbrochen. Ihr Redakteur Hans Schmelz (besondere Kennzeichen: übereinandergeschlagene Socken und im Gesicht die vornehme Melancholie eines sozialisierten Lords) hat bei einer solchen Sendung die Unterbrechung gar nicht zur Kenntnis genommen, sondern seine Ansicht mit erhobener Stimme ausgesprochen. Wie kläglich benehmen sich doch dagegen manche Journalisten bei Werner Höfer. Und mit welch knütternder und beschwörender Stimme Herr Höfer seine lieben Schäflein auf Linie bringt! Wie eine Großmutter, die die lieben Kinderlein wieder zum verlorenen Glauben an den Weihnachtsmann zurückbringen will! Hinter allen seinen Sätzen steht: »Seid nett zueinander«, und so nichtssagend wie dieses Wort »nett«, so nichtssagend ist dieser internationale Kaffeeklatsch mit sechs Klatschtanten aus fünf Ländern.

Diessen (Ammersee) HANNES Fieser

Zahnarzt

... lob' ich mir doch den »Internationalen Frühschoppen«, dem gerade Werner Höfer dieses gewisse Etwas, die persönliche Note zu geben versteht, so daß die Sendung von Woche zu Woche erneut liebens- und hörenswert erscheint.

Frankfurt-Heddernheim SONNY SCHULTKY

Warum eigentlich wird er nicht Schlagersänger?

Dortmund W. SCHUCHT

Rechtsanwalt und Notar

Höfer-Titel

Paternostro

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