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Briefe

Gestörtes Verhältnis
aus DER SPIEGEL 4/2004

Gestörtes Verhältnis

Nr. 2/2004, Arbeitsmarkt: Auf der Suche nach einem Job fallen viele auf windige Geschäftemacher herein

Auf Grund eines Stellenangebots des Arbeitsamtes Frankfurt am Main habe ich versucht, umgehend Kontakt zu dem im Schreiben genannten »Arbeitgeber« - der Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG in Darmstadt - aufzunehmen. Resultat: Bei der »Stelle« handelt es sich um den nebenberuflichen Einstieg in eine Strukturvertriebsorganisation. »Arbeitgeber« ist nicht die Hamburg-Mannheimer Versicherung, sondern die HMI, deren Strukturvertriebsorganisation. Herr J., der mir genannte »Ansprechpartner«, ist selbst erst bei der HMI (nebenberuflich) »Repräsentantenanwärter«, der, um im System des Strukturvertriebs eine (Karriere-)Stufe hochzusteigen, neue »Repräsentantenanwärter« werben muss. Das war das erste und bisher einzige Stellenangebot des AA für mich in zwölf Monaten.

FRANKFURT AM MAIN MONIKA HAACK

Wer weiß, wie überlastet die Vermittler der Arbeitsämter sind, wird einsehen, dass diese nicht alle Jobangebote auf Seriosität überprüfen können. Allerdings sollte es den Arbeitsuchenden ermöglicht werden, in begründeten Fällen abzulehnen, ohne gleich mit entsprechenden Sanktionen bestraft zu werden.

BERLIN VEIT WALTER

Die Praxis und vermeintliche Überforderung des Arbeitsamts ist nicht neu. Ich suchte 1982/1983 nach meiner Meisterausbildung eine Stelle in Nürnberg. Damals studierte meine Frau dort, und ich suchte in der Nähe Arbeit. Die erste Stelle, die mir das Arbeitsamt nannte, war ein Betrieb, der einen Konzessionsträger suchte und mir dubios erschien. Ich sollte vier Stunden pro Tag im Büro sitzen und könnte dort meine Hausaufgaben der Abendschule machen, das würde keinen stören - bei Geschäftsführer-Gehalt. Das Arbeitsamt kümmerte meine Darstellung nicht. Die zweite Stelle - eine handwerkliche Meisterstelle - trat ich freudig an und wurde nicht bezahlt, da der Betrieb so gut wie insolvent war. Auch die Meldung dieses Vorfalls interessierte das Arbeitsamt nicht. Es vermittelte bis zur endgültigen Insolvenz des Betriebs fleißig weiter unbezahlte Arbeitskräfte, die damit aus der Statistik rausfielen. Mein Verhältnis zum Arbeitsamt ist seit dieser Zeit gestört.

WUPPERTAL THOMAS LANDSIEDEL

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