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Briefe

Gesunde Förderung
aus DER SPIEGEL 22/1973

Gesunde Förderung

(Nr. 20/1973, Horst Stern: »Verlogene Paradiese")

Wer Horst Sterns mutige und oft verblüffende Bemerkungen über das Tier mit Sympathie verfolgt hat, wird sich wundern über die Nachsicht, mit der er das Problem »Zoo« behandelt, »den modernen, wissenschaftlich geleiteten Zoo, der mit ausgeklügelter Architektur ... echte körperliche Bedürfnisse der Tiere befriedigt«. Ich werde nie den geradezu deprimierenden Eindruck vergessen, den ich im Berliner Zoo hatte, als ich zehn bis zwanzig indische und afrikanische Elefanten in der mageren Sonnenwärme eines Novembertages stehen sah, und zwar alle mit dem Kopf gegen die Wand des Elefantenhauses -- stumm, trübsinnig und hoffnungslos. Ich habe vergeblich nach der Befriedigung echter körperlicher Bedürfnisse die Tiere Ausschau gehalten. Daß ausgerechnet Professor Grzimek, der dem Fernsehvolk regelmäßig mit seiner tiefen Verbundenheit mit der »stummen Kreatur« Rührung ins Haus bringt, Zoodirektor ist, halte ich einfach für schizophren.

Düsseldorf A. BRANDTS

Ich, als ein Leser unter vielen, mit anteilnehmendem Ohr begabt, möchte Herrn Stern, gleichsam repräsentativ für die gesunde Förderung und Forderung des Menschen und der Natur, die kräftigste, entschiedenste Fortsetzung seines Einsatzes, seines Kampfes wünschen, damit er keineswegs unter dem Druck der vernunftlosen Köpfe resigniert, aufgebend oder gar sinnlos zerfalle.

Oberhausen HONARIS

Dichter, Philosoph

Über dem Dschungel einer fehlgeleiteten, goldierten Tierliebe mit allem Drum und Dran -- Publicityrummel, triefende Sentimentalität, Verlogenheit mit kommerziellen Tendenzen, Donquichotterien, Irreführung zoologischer Laien, wissenschaftlich verbrämte Scharlatanerie, mit dem Schein jener Gestirne, von denen man nicht weiß, woher sie ihren Glanz beziehen -- leuchtet hier jetzt als ein wirklicher, echter Stern die SPIEGEL-Analyse.

Berlin W. K. G. MOEBES

Lieber Horst, wie hätten Sie"s denn gern? Eine echte Alternative ergab sich aus Ihrer Tierliebe nicht. Unsere inzwischen automobile Flachlandbevölkerung soll offenbar ein Blaumeisenpaar im Hausgärtchen und bei stundenlanger Wanderung ein Reh oder einen Fasan (Entschuldigung: auch Exote) als ultima ratio ihrer Naturerfahrung betrachten. Der automobil zu erfahrene Saupark und das Wisentgehege in Springe, das Vogel-Paradies in Walsrode sollen von uns SPIEGEL-Lesern als Vergewaltigungen von Tieren und Landschaft betrachtet werden? Bei allem Verständnis für ausgehende Reservoirs für Reporte über Berufsstände erscheint eine Reprise der »Diplomatenjagd« von R. Mey in publizistischer Form unsozial. Weil wir Flach-Bürger durch »Tierliebhaber« uns auch nicht vergewaltigen lassen -- uns nicht ausschließen lassen wollen von den »verlogenen Paradiesen« der Jet-set-Komparserie.

Liebenau (Nieders.) KARL-HEINZ MEINECKE

Mir scheint, daß es Horst Stern in dem Bericht weniger auf die sachliche Aussage als auf die vermeintlich geschliffene Ausdrucksform ankommt.

Bremen PETER MANDT-RAUCH

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