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Briefe

Gesundes Volksempfinden
aus DER SPIEGEL 3/1972

Gesundes Volksempfinden

(Nr. 53/1971, SPIEGEL-Titel »Der Deutsche und sein Auto")

Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, daß ein Schiff ein Steuer und ein Auto ein Lenkrad hat?

Kerne (Nrdrh.-Westf.) HELMUT SCHIRMER

Ach, könnten doch die Verfasser den Artikel noch mal mit dem leider verstorbenen Professor Giese durchsprechen. Giese war 2-CV-Fahrer! Lebte Giese noch, er hätte bestimmt schon ein Buch über die Hackordnung und die Intensität des Hackens auf deutschen Straßen aus der Sicht des früheren Mercedes- und heutigen Entenfahrers geschrieben. Ein Ergänzungsband zu diesem fiktiven Giese-Werk wäre augenblicklich unter dem Titel: »Das gesunde Volksempfinden« möglich.

Düsseldorf NORBERT FROHNE

In Ihrem Artikel unter der Spalte »Lieblingswagen« wird einem erschreckend deutlich, wie prestigehungrig (Mercedes 32 Prozent) und uninformiert (Alfa Romeo ein Prozent) der deutsche Autofahrer durch die Lande fährt beziehungsweise fahren möchte.

Böblingen (Bad.-Württ.) GERHARD SCHNEIDER

Das Zitat von Janpeter Kob, der Autofahrer genieße am Steuer eine »temporäre Befreiung von Zwängen, die durch das bloße Schließen der Autotür und das Losfahren erreicht wird«, möchte ich ergänzen respektive mit dieser Komplementierung paralysieren. Um den sozialen Zwängen im Auto temporär zu entfliehen, wird der Autofahrer

bedingt durch das Auto selber -- neuen Zwängen unterworfen: den Zwängen des Verkehrs: Obwohl er ihnen in einer ihm gehörenden Umgebung ausgesetzt ist und nicht direkt in der Masse, bietet das Auto heute keine Fluchtmöglichkeit mehr.

Braunschweig ANDREAS OSTERMEYER

Bei all diesen Berichten vermisse ich immer ein nach meiner Meinung sehr wichtiges Argument für die Vorliebe zum Auto. Der Straßenverkehr verschafft in hohem Maße dem Gerechtigkeitsempfinden Genugtuung. Der Direktor darf auch nicht eher als der Bote. wenn die Ampel rot ist. Nur, was jedermann gern konzediert, Polizei und Krankenwagen haben Vorrecht. Selbst den Weißen Mäusen bei Bonner Besuch räumt man gnädig die Vorfahrt ein. Es geht nirgendwo und nirgendwann sonst so gerecht zu wie im Straßenverkehr. Düsseldorf URSULA MÄRKER

Ich spreche aus Erfahrung! Ein magischer Bann hat mich in den Klauen, der bar jeglicher Überzeugungskraft ist. Ich habe begriffen. Nur, wer rettet mich? Wer? Berlin COLIN GODRON

Die Deutschen machen sich gegenseitig kaputt und brauchen keine anderen mehr anzugreifen. Hamburg

MARTIN JENSEN

Zu Ihrer Sammlung von Autosprüchen

kann ich ihnen noch folgenden mitteilen: Hüte dich vor Eis und Schnee, vor SLS und OTW!

Röslau (Bayern) GERHARD HORN

ich würde sogar sagen, die Fahrer vom »Lande« fahren entspannt in die Stadt hinein. Durch die Aggressivität der Stadtfahrer werden sie doch gereizt, kommt zum Beispiel ein Stadtfahrer, der am Morgen losfährt (er hat wie immer keine Zeit), schlecht aus seiner Parklücke heraus, und dann erwischt er noch nicht die grüne Welle ... und schaut man sich mal sonntags die Stadtleute mit ihren Vehikeln an, wie sie auf dem -»Lande« spazierenfahren wollen, merkt man, daß sie Sonntagsfahrer sind: Langsam tuckern sie durch die Gegend und parken halb auf der Straße. um einen Waldspaziergang zu machen.

Fickmühlen (Nieders.) REINHOLD SCHAUBE

Sie erklären die große Wasch-Wut in den kleineren Ortschaften damit, daß insbesondere hier das Auto einen gesteigerten Vorzeigewert hat. Meines Erachtens läßt sich diese Tatsache jedoch nur unter dem Gesichtspunkt, daß der Großstädter weniger Möglichkeiten -- also meist kein »Plätzchen hinter dem Haus« -- zur Wagenpflege hat. richtig beurteilen. Unstrittig ist aber Ihre Grundfeststellung. daß das Auto dem Deutschen mehr ist als nur ein Gegenstand, der ihm Mobilität verleiht. Besonders die Polizei könnte das bestätigen. Eine abgeknickte Antenne oder ein verbogener Scheibenwischer am Objekt seiner Liebe lassen ihn urplötzlich bösartig werden ("wenn ich den erwische ..."), während er manches Delikt bei größerem Schaden mit Fassung hinnimmt.

HANS G. NAUMANN

Ich meine, daß Ihnen dieser Artikel gut gelungen ist, denn Sie haben hier geschildert, was ich als »nur Fußgänger« auch des öfteren schon bemerkt habe. Jedoch frage ich mich, was der Absatz über das Wählerverhalten der Rentner mit der Themastellung gemeinsam hat.

Main, ANDREAS GUTH

Den Normalverbrauchertypen beiderlei Geschlechts gibt der Erwerb eines Autos das erhebende Gefühl, nun zu den »Fortschrittlichen« zu gehören.

Stuttgart PAUL J. MUENZER

Was zahlte Ihnen VW-Chef Leiding für die Anzeigen(titel)seite?

Altensteig (Bad.-Württ.) HORST GEBAUER

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