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Briefe

GETRETENER GENERAL
aus DER SPIEGEL 42/1957

GETRETENER GENERAL

Herzlichen Dank für das ausführliche »Hillebrand-Lied«. Die bisherige einschlägige Berichterstattung (auch der sogenannten unabhängigen Presse) über die Kontroverse zwischen Minister Strauß und General Mueller-Hillebrand war lückenhaft bis zur Entstellung und darüber hinaus zum Teil sogar einfach unrichtig.

z. Z. Norderney DR. JUR. ERICH KÜCHENHOFF

Wissenschaftlicher Assistent

Wer die näheren Verhältnisse durch Bekannte in der Personalabteilung kennt, der wußte, daß General Mueller-Hillebrand schon längst abschußreif war. Nicht selten mußte der General Mueller-Hillebrand von dem Referat Oberstleutnant Dr. Stangl, Oberstleutnant Dr. Schröder darauf hingewiesen werden, daß seine Befehle gesetzwidrig waren bzw. logische Denkfehler enthielten. Daher rührt nicht zuletzt die Abneigung des Generals gegen akademisch gebildete Offiziere. Diese Vorurteile der alten Kommißköpfe mit ihren Einbahn-Gehirnen sind immer noch nicht ausgestorben. Es wird daher höchste Zeit, daß diesen alten Kommißtypen durch konkrete Anweisungen recht eindeutig gesagt wird, wie Wissen und Können in der Gesamtbeurteilung zu werten sind.

Königswinter R. LEHMANN

Zur Sache: Der Minister hatte den Staatssekretär, den Ministerialdirektor und den General zur gleichen Zeit befohlen. Die beiden zivilen Vorgesetzten wurden zum Minister hereingebeten, um den anliegenden Fall zu besprechen. Der General mußte warten. Die Vorbesprechung des Falles stand also von vornherein fest. Daraus ergibt sich zwangsläufig, daß auch das Antichambrieren des Generals beabsichtigt war.

Früher war es guter Stil, die Zeiten so festzulegen, daß eines nach dem anderen abgewickelt werden konnte, wenn der später Benötigte nicht gebeten wurde, sich abrufbereit zu halten. Zumindest pflegte man sich zu entschuldigen, daß man warten lassen müsse.

Bonn H. KÜSTER

Das Primat der Politik sollte nicht durch billige Kraftproben auf dem Sektor Personalstrategie erprobt und herausgestellt werden. Mehr Fingerspitzengefühl wäre am Platze, auch für einen Minister, um so mehr, als seine Plattform durch vergängliche parteipolitische Mehrheit und weniger fachliches Können und Erfahrung fundiert ist.

München 19 H. EMIL DWORAK

Diplom-Kaufmann

Mit vollem Recht sagen Sie in Nr. 40, Seite 18: »Er (der Personalchef) suchte nach einem Rechtsmittel, um sich zur Wehr zu setzen, und fand heraus, daß die Beschwerdeordnung der Bundeswehr, die jedem Soldaten gegen jeden militärischen Vorgesetzten ein Beschwerderecht einräumt, keine Handhabe gegen den Minister bietet, obschon der Minister der oberste Vorgesetzte aller Soldaten ist.« Dies gilt für alle Ministerien und deren Dezernenten und Referenten. Jeder Staatsbürger kann sich zwar über jeden Beamten und jede Behörde beschwerden, es kann sich auch der einfache Beamte - wie der Soldat - über seinen Dienstvorgesetzten bis zum Minister beschweren, es gibt aber, was vielleicht wenig bekannt ist, keine Dienstaufsichtsbeschwerde über einen Minister. Einem Referenten also, der nur den Minister als seinen Vorgesetzten hat, ist praktisch das wichtige Beschwerderecht des Beamten genommen, mag er sich noch so »niedrigen Beleidigungen ausgesetzt« fühlen. Tatsächlich ist in dieser Hinsicht ein demokratischer Minister ebenso absolutistisch wie ein absoluter Duodezfürst des 18. Jahrhunderts.

Münster (Westf.) GERHARD BRUCHMANN

Oberschulrat a.D.

Die traurigste Folge dieser Affäre wäre für das Bundesheer sicher die von Ihnen angedeutete Heranzüchtung farbloser Persönlichkeiten in der obersten Führungsspitze ("Fortan wird sich kaum einer dem Minister mit eigener Meinung nähern"). Machte man nach dem Zweiten Weltkrieg den hohen Militärs nicht gerade die mangelnde Zivilcourage gegenüber der Politik Hitlers zum Vorwurf?

Wilhelmshaven GÜNTHER SCHMELZER

»Deinen Artikel 'Das Hillebrand-Lied', den hob i fei glesen! Da kennt der Strauß Franzl, der wo a Landsmo von mir is, nix - bald oana net pariert, glei werd a aussipfeffert! Ja, wo kammert denn mir hin, boid so a damischa General no a

eigene Meinung hobn tat, dös war ja dös schenera! Dösis a oita Schnee, daß dö Deanstbotn de Fotzn net aufreißen därfn, sonst fliagns. Dö Ami habn da so an Spruch, hob i ma sagn lassn: 'We hire and fire.' Boid da der Strauß Franzl wos aschafft, nacha werd dös ebn gmacht - aus, Holzäpfi. Da gibts nix mehr zum dischkrieren, vastähst.

Und daß ers glei in Zeitung bracht hat, da hat a do aa Recht ghabt. Alle soilln wissen, wia er'm die Stiefi gwichst hot. Ja, warum soi ma sowas innerhalb der Bundeswehr ausmachn? Ja, warum denn? Grod stinken soll er eahm, dem Saubreißn! Vielleicht is er gar no a Lutherischer? Die habn mir no bsonders dick! Dos g'härat überhaupts vabotn, daß a Lutherischer Offizier werd. A jeder Bewarber müassat a Zeugnis aufweisn könna vom hochwürdigen Herrn Pfarra und vom CSU-Abgeorneden. Nacha kam dös net vor, daß so a Offizier a eigene Meinung hät.«

So etwa - denke ich mir - würde der bayerische Dichter Ludwig Thoma (1867 bis 1921) seinen »Landagsabgeorneden Jozef Filser« in dem »gesamelten Briefwexel« über den Fall Mueller-Hillebrand haben schreiben lassen.

München ALBERT THÖNY

»Das Hillebrand-Lied« - ein heilsamer Bericht. Am End' ist alles nicht soo tragisch. Beide Kontrahenten haben Schnitzer gemacht und zur gesunden Diskussion in der Personalpolitik beigetragen, beide sind gemopst, beide haben aber auch an Popularität gewonnen. Prädikat: Eine wirklich positive Berichterstattung.

Darmstadt C. FENCHEL

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