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Gezielte Intrige

aus DER SPIEGEL 51/1990

Spaniens Botschafter in Bonn, Eduardo Foncillas, hat seine plötzliche Abberufung einer Intrige seines deutschen Kollegen in Madrid, Guido Brunner, zu verdanken. Vertraute des spanischen Ministerpräsidenten Felipe Gonzalez berichten, die Regierung in Madrid sei Andeutungen des deutschen Botschafters aufgesessen, nach den Bundestagswahlen würde Bonn gern einen Wechsel an der Spitze der spanischen Botschaft sehen. Kanzler Kohl, Außenminister Genscher und sein Staatssekretär Sudhoff bestreiten energisch, ein solches Signal gegeben zu haben. Foncillas, seit 1983 auf Posten in Bonn, sei ein »überaus geschätzter Botschafter« (Sudhoff), den man wegen seiner guten Kontakte gern noch länger in der Bundesrepublik gesehen hätte. Foncillas' Nachfolger in Bonn, Fernando Perpina, gilt als enger persönlicher Freund Brunners und war bislang Generaldirektor im spanischen Außenministerium. Brunner, der zu Perpinas Gunsten telefonisch in Bonn intervenierte, ist durch seine Geschäftstüchtigkeit schon länger ins Gerede gekommen: Sein enges Verhältnis zu Spaniens früherem Außenminister Jose Pedro Perez Llorca, der in Madrid ein lukratives Anwaltsbüro betreibt und etliche deutsche Firmen vertritt, ist bekannt. »Wenn jemand hier nach einem Anwalt fragt«, berichtet ein deutscher Diplomat in Madrid, »wird er automatisch zu Perez Llorca geschickt.« Brunner selbst, seit 1982 Botschafter in Spanien und wegen getrübter Beziehungen zu Genscher ohne Chance auf einen Posten in Bonn, will sich nach seiner Pensionierung als Anwalt in Madrid niederlassen - als Sozius von Perez Llorca.

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