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»Glaubt weiter an Mucki, er ist ja göttlich«

SPIEGEL-Reporter Gerhard Mauz im Prozeß gegen die Rechtsanwältin Isolde Oechsle-Misfeld *
Von Gerhard Mauz
aus DER SPIEGEL 12/1988

In seinem 1948 erschienenen Roman »Die Iden des März«, einer Sammlung erdachter Schriftstücke, die ein Bild Roms in den Monaten vor der Ermordung Cäsars zeichnen, läßt der amerikanische Schriftsteller Thornton Wilder (1897 bis 1975) im Oktober des Jahres 45 vor Christus den Staatsmann und Redner Marcus Tullius Cicero einen Brief an seinen Bruder Quintus schreiben.

In diesem Brief heißt es unter anderem: »Ich neige zu einer Theorie, nach welcher es für jeden von uns ein bestimmtes Lebensalter gibt, auf das es ihn hinzieht, wie Eisenfeilspäne auf den Norden. Marcus Antonius ist ewig 16, und die Unstimmigkeit zwischen diesem Alter und seinen gegenwärtigen Jahren bewirkt einen immer traurigeren Anblick. Mein guter Freund Brutus ist schon seit seinem zwölften Lebensjahr ein bedächtiger und gesetzter Fünfziger. Cäsar hält bei 40 - ein Janus, der unentschlossen zur Jugend wie zum Alter hinblickt.«

Es lohnt sich durchaus, diese von Thornton Wilder erfundene und seinem Cicero zugeschriebene Theorie gelegentlich auf die eigene Umgebung (und auf sich selbst ...) spielerisch anzuwenden.

Isolde Oechsle-Misfeld ist, nach dieser Theorie betrachtet, auf ewig 17 Jahre alt - und die Unstimmigkeit zwischen diesem Alter und ihren gegenwärtigen 40 Jahren erklärt in einiger Hinsicht, warum sie so verwirrend wirkt; warum man Mitgefühl empfindet und warum man, fast gleichzeitig, empört, ja sogar zornig reagiert.

Da sitzt als Angeklagte eine Frau von 40 Jahren. Und diese Frau sagt, auf einen Vorhalt des Staatsanwalts hin, zum Staatsanwalt: »Herr Dr. Stechmann, hinterher ist man immer klüger ...«

Doch das, worum es im Vorhalt des Staatsanwalts ging und worauf sie mit diesem Satz reagiert, bezog sich auf eine Situation, die sie begreifen konnte, und zwar sofort, auf eine Situation, die für niemand ein Rätsel sein durfte.

»Ja hinterher, Herr Dr. Stechmann«, sagt Isolde Oechsle-Misfeld, »hinterher ...« Ihr gebricht es gewiß nicht an Intelligenz, doch 40 Jahre ist sie nur nach ihrem Geburtsschein alt.

Ihre Realität ist die einer 17jährigen, und wie eine 17jährige reagiert sie trotzig und altklug, wo sie rat- und hilflos ist. Daß sie im Rückblick ihr Verhalten nicht fassen kann, darf sie nicht zugeben - denn um sie herum sitzen schließlich diese Erwachsenen, die eine Welt zugelassen haben und zulassen, in der sie sich einfach nicht orientieren konnte und kann.

Die Rechtsanwältin Isolde Oechsle-Misfeld hat sich in ihrem Prozeß inzwischen zur Person und zur Sache eingelassen. Und sie hat die Fragen des Gerichts und der Anklage beantwortet.

Ob sie in dieser Woche auch noch die Fragen der Nebenklage (einer der Polizeibeamten, die am 29. Juli 1986 im Hamburger Polizeipräsidium den Schüssen Werner Pinzners entkamen, wird in der Hauptverhandlung als Nebenkläger von einem Rechtsanwalt vertreten) und die Fragen ihrer beiden Verteidiger beantwortet, steht dahin.

Der Sachverständige, der Psychologe Dr. Herbert Maisch, hat einen (schon vor Beginn des Prozesses angekündigten und vereinbarten) Urlaub angetreten. Es ist denkbar, daß Isolde Oechsle-Misfeld Fragen nur in seiner Gegenwart beantworten möchte.

Die Hauptverhandlung gegen Isolde Oechsle-Misfeld ist nicht der »Prozeß des Jahres«, denn den gibt es nur für die Vertriebsabteilungen von Zeitungen und Zeitschriften. Und sie ist nicht einmal der »Jahrhundert-Prozeß«, zu dem sie von der Hamburger »Morgenpost«, dem liebenswerten Riesenspielzeug des Hauses Gruner + Jahr, am 12. Januar 1988 ernannt wurde.

Zu viele Zeilen also über Isolde Oechsle-Misfeld, auch und gerade hier?

Eine Sache ist es, das organisierte Verbrechen ausfindig zu machen, zu stellen und vor Gericht zu bringen. Eine ganz andere Sache ist es, gegen das organisierte Verbrechen zu verhandeln. Selbstbewußte Menschen sprechen gerne davon, es sei »Tierschutz für Motten«, wenn man gewissen Personen die Strafprozeßordnung (StPO) angedeihen lasse; man solle da nicht so zimperlich sein.

Doch wem gegenüber soll auf diese Zimperlichkeit verzichtet werden? Den Angeklagten aus den Reihen des organisierten Verbrechens gegenüber? Da hat nahezu jeder einen ganz eigenen Wunschzettel. Und auf diesen Wunschzetteln hinsichtlich des Verzichts auf Zimperlichkeit findet sich praktisch alles, was Menschen vor das Strafgericht bringen kann.

Die Skala reicht von den NS-Tätern über die Vergewaltiger bis zu den Umweltfrevlern, sie enthält die Wirtschaftskriminellen genauso wie die Produzenten, die nicht haften mögen, die Terroristen bedürfen der Erwähnung nicht, und auch die betrunkenen Autofahrer müssen nicht angeführt werden.

Es lehrt dies wohl, und nicht nur die Strafverteidiger der Bundesrepublik sind dieser Meinung, daß die StPO für jeden Angeklagten gilt. Dem Strafprozeßrecht kommt in der Tat, wie der Münchner Strafrechtler Professor Claus Roxin schrieb, »symptomatische Bedeutung für den Geist einer Rechtsordnung zu«. Es ist tatsächlich »die Probe auf das Exempel des Rechtsstaats«.

Werner Pinzner gestand am 15. April 1986 nach seiner Festnahme, fünf Morde _(Während eines Gesprächs mit einem ) _(Journalisten im Sommer 1986. )

im Auftrag des St.-Pauli-Milieus begangen zu haben. Am 29. Juli 1986 verwundete er dann während einer Vernehmung im Hamburger Polizeipräsidium den Staatsanwalt Wolfgang Bistry tödlich, bevor er seine Frau und sich selbst erschoß.

Von Werner Pinzners Geständnis gingen alle Ermittlungen aus, und sein Tod komplizierte diese Ermittlungen noch zusätzlich. Denn Isolde Oechsle-Misfeld, seine Rechtsanwältin, geriet in den Verdacht, nicht nur den Tod von Werner und Jutta Pinzner organisiert und ermöglicht zu haben.

Sie soll, von Auftraggebern aus dem Milieu angestiftet, Werner Pinzner dazu veranlaßt haben, den Staatsanwalt Bistry zu töten (der von der Anklage angenommene Versuch, auch die anwesenden Polizeibeamten zu erschießen, scheiterte).

Was Großverfahren angeht, ist die Hamburger Strafjustiz ein verbranntes, nicht nur ein gebranntes Kind. Die Hauptverhandlung gegen 13 Mitglieder der »Hell''s Angels« entwickelte sich von 1984 bis 1986 zu einer in jeder Hinsicht ruinösen Veranstaltung. Mindestens 13, oft bis zu 26 Verteidiger lieferten dem Gericht eine Abnutzungsschlacht. So etwas wollte und will man nicht noch einmal erleben.

In Sachen der mit Werner Pinzners Namen verbundenen Strafverfahren kam hinzu, daß Reinhard ("Ringo") Klemm, den man für die Schlüsselfigur hielt und hält, nach Costa Rica entkommen war und nach einem langwierigen Auslieferungsverfahren erst im Dezember 1987 wieder nach Hamburg zurückgebracht werden konnte.

So gab es, gibt es und wird es nicht weniger als vier großkalibrige Hauptverhandlungen geben, die der Name Werner Pinzners verbindet. Eine Hölle im Stil des »Hell''s Angels«-Prozesses hat man damit vermieden, doch einfacher ist die Bewältigung des gewaltigen Anklagekomplexes damit nicht geworden.

Relativ glatt verlief der Prozeß gegen Hans-Joachim ("Joe") Marx, 33, der nach 30 Sitzungstagen im Dezember vergangenen Jahres zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Ihm wurde unter anderem vorgeworfen, Werner Pinzner zu einem seiner Morde angestiftet zu haben. Und zuletzt soll er versucht haben, Werner Pinzner ermorden zu lassen.

Der Name Werner Pinzner kam allerdings in der mündlichen Urteilsbegründung nicht mehr vor. Es waren nur Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, gegen das Waffengesetz und Förderung der Prostitution geblieben.

Doch der Vorsitzende Richter Jürgen Schenck, 59, einer der erfahrensten Hamburger Strafrichter, unter dem es zu diesem Urteil kam, wird Joe Marx mit einiger Wahrscheinlichkeit wieder begegnen. Dann nämlich, wenn gegen Ringo Klemm und andere Anklage erhoben

wird. Zu den »anderen« dürfte von neuem Joe Marx gehören, und diese Hauptverhandlung scheint sich unaufhaltsam auf den Vorsitzenden Richter Schenck und seine Strafkammer zuzubewegen.

So wird also der Vorsitzende Richter Schenck, ein gelassener Pfeifenraucher, dessen Gelassenheit man, selbst Pfeifenraucher, gerne hervorhebt, doch auch noch Gelegenheit bekommen, sich mit Werner Pinzner zu befassen. Und er wird das unter einer gewissen Hypothek tun.

Denn bis es soweit ist - werden zwei andere Hamburger Strafkammern Werner Pinzner gelegentlich der von ihnen verhandelten Teilkomplexe bewertet und gewürdigt haben (von der Möglichkeit, daß die Verteidigung von Joe Marx bis dahin mit ihrer Revision gegen das Sieben-Jahre-Urteil Erfolg gehabt haben könnte, zu schweigen).

Seit dem September 1987 wird in Hamburg unter dem Vorsitzenden Richter Albrecht Mentz, 50, gegen Josef Peter ("Wiener Peter") Nusser, 37, als mutmaßlichen Auftraggeber Werner Pinzners (nicht in allen fünf Fällen) und gegen Armin Hockauf, 28, und Siegfried Träger, 30, als mutmaßliche Gehilfen Werner Pinzners (nicht bei allen Morden) verhandelt.

Das Gericht unter dem Vorsitzenden Richter Mentz wird also Feststellungen darüber zu treffen haben, wieweit der Nachlaß Werner Pinzners in Gestalt von Protokollen, Aufzeichnungen und anderem zuverlässig ist, und es wird sich auch dazu erklären müssen, ob und wieweit Werner Pinzners Drogenabhängigkeit sein Aussageverhalten beeinflußt hat.

Auch andere Fragen müssen beantwortet werden, etwa die, ob Werner Pinzner Vergünstigungen gewährt wurden, die seine Aussagen unverwertbar machen - und ob er vielleicht, aus Rachsucht, darauf aus war, noch nach seinem Tod andere hineinzureißen.

Genau diese Fragen müssen auch die Strafkammer beschäftigen, die unter dem Vorsitzenden Richter Erich Petersen, 51, seit Januar dieses Jahres im gleichen, hochgesicherten Saal des Landgerichts Hamburg (an anderen Wochentagen in der Regel) gegen Isolde Oechsle-Misfeld verhandelt. Eine »Hell''s Angels«-Situation konnte sich die Strafjustiz der Hansestadt ersparen, doch ihr ist wirklich nur diese Situation erspart geblieben.

Die Hauptverhandlung gegen Isolde Oechsle-Misfeld ist deshalb so hartnäckig ein Thema, weil gerade sie besonders deutlich vor Augen führt, wie schwer es ist, gegen das mutmaßlich organisierte Verbrechen zu verhandeln. In Sachen Isolde Oechsle-Misfeld werden Feststellungen hinsichtlich Werner Pinzners zu treffen sein, die mit Feststellungen hinsichtlich Werner Pinzners im Prozeß gegen Nusser, Hockauf und Träger kollidieren können. Was beide Hauptverhandlungen

für den - fernen - Prozeß gegen Klemm und andere bedeuten, nun, lassen wir das.

Im Prozeß gegen Nusser, Hockauf und Träger sind die Aufzeichnungen Werner Pinzners begutachtet worden. Es sieht so aus, als habe er in böser Absicht nachträglich Ergänzungen vorgenommen. Ob das Gutachten zu den Auswirkungen der Drogenabhängigkeit Werner Pinzners, das im Prozeß gegen Nusser, Hockauf und Träger gehört wurde, im Prozeß gegen Isolde Oechsle-Misfeld Bestand hat, muß dahinstehen. Die Einlassung Isolde Oechsle-Misfelds zu diesem Punkt enthielt Details, die das Gutachten nicht abzudecken scheint.

Es wurde und wird in diesen Prozessen intensiv und nach den Regeln der Kunst verteidigt. Joe Marx haben die Rechtsanwälte Dr. Josef Gräßle-Münscher und Peter Möring verteidigt, im Prozeß gegen Nusser, Hockauf und Träger sind Leonore Gottschalk-Solger und Reinhard Daum tätig, zwei über Hamburg hinaus hochangesehene Strafverteidiger, für Klemm wird man den ausgezeichneten Gerhard Strate erleben. Daß irgendwer auf den Gedanken kommt, weniger zimperlich sein zu wollen, ist nicht möglich.

Und dann ist da ja auch die Anklage in diesen Prozessen, die sich gegen Versuche der Vereinfachung und Verkürzung zur Wehr setzen kann. Ob beispielsweise der Staatsanwalt Dr. Peter Stechmann, 39, im Prozeß gegen Isolde Oechsle-Misfeld damit einverstanden ist, daß bestimmte Zeugen, wie man in der Sitzung erfuhr, gar nicht gehört werden, bleibt abzuwarten.

Vorerst sind die Kollisionen noch eher komisch. Der Vorsitzende Richter Mentz etwa gestattet nicht, daß Anwälte aus dem Prozeß gegen Isolde Oechsle-Misfeld in seiner Sitzung auf den Pressebänken Platz nehmen, wenn sie hereinschauen, weil bei Nusser, Hockauf und Träger etwas ansteht, was für ihr Verfahren wichtig sein könnte. So sah man den Oechsle-Misfeld-Verteidiger Günnemann im Zuschauerraum durch die Glaswand abgetrennt sitzen, und ihm waren sogar Block und Schreiber untersagt worden, weil Notizen im Zuschauerraum unzulässig sind.

Der Vorsitzende Richter Petersen andererseits hat da kein Problem. In seiner Sitzung konnte der Rechtsanwalt Daum unter den Journalisten Platz nehmen. Und immerhin - eines verbindet die beiden derzeit nebeneinander laufenden Hauptverhandlungen, die mit Werner Pinzner zusammenhängen. Der Protokollführer ist in beiden Verfahren derselbe. Schließlich gibt es nach den Urteilen auch noch das Rechtsmittel der Revision. Da könnte dann der zuständige Strafsenat des Bundesgerichtshofs, wenn es sein muß, sozusagen Tatgericht über mehrere Tatgerichte werden ...

Zwischen Mitgefühl und Empörung, ja Zorn schwankend, hat man Isolde Oechsle-Misfeld in der Befragung erlebt. Die Sorge um Jutta Pinzner, die Frau Werner Pinzners, sei die Leitlinie ihres Verhaltens gewesen, hat sie immer wieder ausgesagt. Der Staatsanwalt hält ihr vor, daß sie an einem Tag, an dem Jutta Pinzner sich in einer besonders verzweifelten Verfassung befand, keine Zeit für sie hatte. Warum sie Jutta Pinzner an diesem Tag allein gelassen habe, wird sie gefragt.

Sie konnte nicht anders, »der Hund war am Eingehen«. Ihr Hund wurde von ihr in die Tierklinik gebracht, und der Staatsanwalt kann nicht verstehen, warum das wichtiger war als die Fürsorge für Jutta Pinzner, die Frau, die, wie Isolde Oechsle-Misfeld wußte, einem gemeinsamen Selbstmord mit ihrem Mann entgegenfieberte.

»Sie haben den Hund nicht erlebt«, sagt die Angeklagte. Sie sagt: »Ich kann nicht den Hund zu Hause krepieren lassen, und teilen kann ich mich auch nicht.« Da hat sie also einmal abwägen, etwas zurückstellen und etwas vorziehen können. Doch sonst - hat sie getan, was Werner Pinzner ihr auftrug, jener »Mucki« genannte Werner Pinzner, der in der Trostlosigkeit seiner inneren Auflösung und Zerstörung an seine erste, geschiedene Frau und seine Tochter schrieb: »Glaubt weiter an Mucki, der ist ja auch göttlich.«

Isolde Oechsle-Misfeld sagt: »Ich kann nur sagen, Herr Pinzner hat das

gewollt, und ich habe das so gemacht.« Sie sagt, »ich hatte auch keine Lust, mich zwischen alle Stühle zu setzen«, obwohl, um bei diesem Bild zu bleiben, in ihrem Umgang mit dem Ehepaar Pinzner nirgendwo mehr ein Stuhl in Sicht war. Sie sagt, sie habe keine Angst vor »Ringo« Klemm. Warum hat sie aber, nach den Schüssen im Polizeipräsidium, als Beschuldigte außerhalb des Protokolls gesagt: »Ich habe keine Lust, von Ringo erschossen zu werden«? Jetzt bringt sie vor, es sei vorher um die Beschaffung der Tatwaffe gegangen. Dabei habe sie an Klemm gedacht, und so sei es zu dieser Bemerkung gekommen.

Nein, es sei niemand an sie herangetreten und habe sie dazu angestiftet, Werner Pinzner zum Mord an Staatsanwalt Bistry zu veranlassen, keiner, zu keinem Zeitpunkt, antwortet sie dem Gericht. Als einer der Berufsrichter sie fragt, warum sie »diesen Strohhalm nicht ergriffen« hat, als Werner Pinzner eines Tages beabsichtigte, sich von ihr zu trennen und einen anderen Anwalt zu nehmen, obwohl sie angeblich verzweifelt auf ein Ende ihrer Verstrickung hoffte - da sagt sie nur, es sei zuviel gekommen an jenem Vormittag. Und sie habe diese Sache erst einmal - zu ihren Gunsten, gegen den vorgesehenen Anwalt - geklärt haben wollen.

Die Hauptverhandlung gegen Isolde Oechsle-Misfeld ist auch deshalb so hartnäckig ein Thema, weil man sich gegen Empörung und Zorn wehrt, weil man die Angeklagte verstehen möchte, diese Frau, die 40 Jahre alt ist, die sich aber wie eine 17jährige einläßt. Wann und wodurch ist sie biographisch so entsetzlich verkrüppelt worden? Während man um Isolde Oechsle-Misfeld ringt, wehrt man sich wohl dagegen, daß es das Böse gibt; besteht man darauf, daß auch das ärgste menschliche Versagen Not ist.

Während eines Gesprächs mit einem Journalisten im Sommer 1986.

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