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Gleich geht's weiter

aus DER SPIEGEL 50/1999

Wollte eine Sprachjury das TV-Unwort des Jahrzehnts küren, hätte ein Adverbial der Zeit die besten Aussichten: gleich. Das Wörtchen, das auch sonst nie meint, was es sagt, meint im Fernsehen »nach der Werbung«.

Es fällt in der Regel am Ende des so genannten Trailers. Ursprünglich ein Anhänger, ist der Trailer längst zum Ankündiger mutiert und als »Appetizer« zu epidemischer Verbreitung gelangt. Auf der Strecke blieben nicht nur die hübschen Ansagerinnen und die erquicklichen Sendepausen, sondern auch die guten Sitten. Kaum ein Abspann, in den nicht ein Trailer hineinplärrt, kaum ein Werbeblock, dessen Ende er nicht verlängert. Dass es gleich weitergeht, wird bei Filmen und Serien daher meist drangeschrieben; bei Magazinen besorgt dies neuerdings eine Unterart des Trailers: der Binnentrailer. Im Unterschied zum gewöhnlichen Magazin-Trailer, der vor »Taff« und »Blitz«, »Explosiv« und »Exclusiv« auf die zu gewärtigenden Themen Appetit macht, hat der Binnentrailer die Aufgabe, die Gucker daran zu erinnern, dass nach der zerstückelten Tante, dem Feinschmeckerkochbuch für Diabetiker und dem Säurekiller von Pakistan noch der Pumpgun-Azubi von Brunsbüttel kommt. Denn so lang die Werbeblöcke sind, so kurz scheint das Gucker-Gedächtnis. Dieses frischt der Binnentrailer sowohl vor wie nach jenen auf. Auf vier bis sechs Binnentrailer, die nach jedem Werbeblock kürzer werden, bringen es die Magazine der Privaten. Die Öffentlich-Restlichen, die selbstverständlich auch diese Unart kopierten, bringen es bislang auf einen. Der hindert in »Wiso« mit interessanten Restthemen wie Erbschaftsteuer und Internet-Schnäppchen die Klientel am Wegzappen.

Im nächsten Jahrzehnt kommt's noch schlimmer: der Commercial-Trailer. Der zeigt dann vor jedem Werbeblock, was es gleich Schönes zu kaufen gibt.

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